BLOCKIERTTempelhof-Schöneberg · Vorgang vom 25.05.2014

Wohnquartier am Tempelhofer Feld

~4.700
RECHERCHIERTE SCHÄTZUNG
geplante Wohnungen laut Quellenlage — keine amtlich bestätigte Zahl

Worum es geht.

Geplant war ein neues Stadtquartier auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof. Der Senats-Masterplan „Tempelhofer Freiheit“ von 2013 sah auf rund 75 Hektar am Rand des etwa 350 Hektar großen Feldes 4.700 Wohnungen vor, dazu Gewerbe und die Landesbibliothek1. Die Gebäude sollten fünf bis zehn Geschosse hoch werden und stellenweise über 200 Meter ins Feld hineinreichen. Nur für rund 850 der 4.700 Wohnungen war eine befristete Nettokaltmiete von 6 bis 8 Euro je Quadratmeter vorgesehen1.

Diesen Plan stoppten die Berlinerinnen und Berliner selbst. Am 25. Mai 2014 nahmen sie im Volksentscheid den Gesetzentwurf der Initiative „100% Tempelhofer Feld“ mit 64,3 Prozent an: 739.124 Ja-Stimmen bei 46,1 Prozent Beteiligung, das Quorum von 25 Prozent der Wahlberechtigten übertrafen sie mit 29,7 Prozent. Der Konkurrenzentwurf des Abgeordnetenhauses fiel mit 44,3 zu 55,7 Prozent durch2. Das Gesetz zum Erhalt des Tempelhofer Feldes vom 14. Juni 2014 untersagt seither dauerhafte bauliche Veränderungen und ausdrücklich auch schon deren Planung3. Hier blockiert also keine Behörde einen Bauantrag, sondern ein Parlamentsgesetz3.

CDU und SPD vereinbarten 2023 im Koalitionsvertrag eine „behutsame“ Randbebauung. Am 18. April 2024 änderte das Abgeordnetenhaus mit ihren Stimmen erstmals seit 2016 das Feldgesetz, allerdings nur, um weitere Container für Geflüchtete zu ermöglichen4. Den Wohnungsbau brachten die folgenden Verfahren nicht voran: Im Dialogverfahren des Senats sprachen sich 2024 alle zehn erarbeiteten Perspektiven gegen eine Bebauung aus5, und im internationalen Ideenwettbewerb, den die Jury am 20./21. Juni 2025 aus 164 Einreichungen entschied, sehen von sechs gekürten Entwürfen nur zwei Wohnbebauung vor6.

Auch der angekündigte Weg zur Entscheidung hat sich aufgelöst. Kai Wegner (CDU) kündigte im November 2024 an, parallel zur Wahl 2026 über eine Randbebauung mit „rund 15.000 bis 20.000 Wohnungen“ abstimmen zu lassen7. Bausenator Christian Gaebler (SPD) lehnt einen neuen Volksentscheid ab und setzt auf das Parlament: Gesetze könnten „jederzeit vom Abgeordnetenhaus geändert werden“8. Im Mai 2026 zogen CDU und SPD ihren Versuch zurück, eine weitere Gesetzesänderung (Drs. 19/2659, Entfristung der Flüchtlingsunterkünfte bis 2028) im Eilverfahren durch den Umweltausschuss zu bringen; Grüne und Linke hatten das Schnellverfahren abgelehnt9. CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers erklärte im Juli 2026, eine Bürgerbefragung sei nach Berliner Recht nicht möglich, die Wahl am 20. September 2026 sei „auch eine Abstimmung über die Randbebauung am Tempelhofer Feld“10.

Stand 2026 ist nichts gebaut und nichts beschlossen. Es fehlt ein Gesetzentwurf, der Wohnungsbau auf dem Feld erlauben würde, und es fehlt eine offizielle Wohnungszahl: Senatsbaudirektorin Petra Reuther spricht von „mindestens vierstellig“6, Evers von Wohnungen für rund 50.000 Menschen10. Die 4.700 Wohnungen im Tracker sind die historische Planzahl von 2013 und beschreiben kein aktuelles Vorhaben1. Das Bauverbot verteidigen Grüne und Linke im Abgeordnetenhaus, der BUND Berlin und die Initiative 100% Tempelhofer Feld111213. Auch der Kreisverband der Grünen in Tempelhof-Schöneberg lehnt eine Bebauung seit den Koalitionsverhandlungen 2023 durchgehend ab: erst gegen die Bebauungspläne von CDU und SPD14, dann mit „Der Volksentscheid gilt“15, mit einem Mitgliederbeschluss gegen Ideenwettbewerb und „Bürgerwerkstatt“ des Senats16, einer Workshopreihe gegen die Randbebauung17 und einem Beschluss von 2025, der sich „uneingeschränkt“ zum Volksentscheid bekennt18. Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg hat in der Sache nichts zu entscheiden, zuständig sind Abgeordnetenhaus und Senat.

Wer im Weg steht.

  • GrünePartei
  • LinkePartei
  • BI 100% Tempelhofer FeldBürgerinitiative
  • Volksentscheid 2014Bürgerinitiative
  • BUNDUmwelt

Belege.

Die Ziffern im Text verweisen hierher. Jeder Beleg nennt Akteur, Datum und Art des Vorgangs. Wie belastbar die Belege insgesamt sind, steht unter der Liste — ein Beschluss oder Verwaltungsakt wiegt schwerer als eine Pressemitteilung, diese schwerer als eine Anfrage. Steht ein Parlamentsbeschluss dahinter, ist die Drucksache samt Beschlusslage verlinkt; „Archiv" führt auf eine gespeicherte Fassung der Quelle, falls das Original verschwindet.

  1. 1Senat von Berlin (Masterplan Tempelhofer Freiheit 2013)2013fordert Bauplanung

    Herkunft der Tracker-Zahl: Der Senats-Masterplan von 2013 sah auf rund 75 ha Baufläche 4.700 Wohnungen vor (nur knapp die Hälfte der Fläche für Wohnen, Rest Gewerbe und Landesbibliothek), Gebäude mit fünf bis zehn Geschossen, Randbebauung bis über 200 m ins Feld hinein; nur für rund 850 der 4.700 Wohnungen war eine zeitlich befristete Nettokaltmiete von 6-8 EUR/qm vorgesehen. Dieser Plan ist mit dem Volksentscheid 2014 hinfällig geworden.

  2. 2Wahlvolk / Volksentscheid Berlin2014-05-25volksentscheid

    Amtliches Endergebnis: Der Gesetzentwurf der Initiative '100% Tempelhofer Feld' wurde mit 64,3 % der gültigen Stimmen (739.124 Ja) angenommen, das Quorum von 25 % der Wahlberechtigten (29,7 %) erreicht. Der konkurrierende Entwurf des Abgeordnetenhauses ('100% Berlin') fiel mit 44,3 % Ja / 55,7 % Nein durch. Beteiligung 46,1 %. Die im Tracker genannten 68,2 % sind falsch - korrekt sind 64,3 %.

  3. 3Wahlvolk / Abgeordnetenhaus von Berlin (ThFG)2014-06-14gesetz

    Das Gesetz zum Erhalt des Tempelhofer Feldes untersagt alle dauerhaften baulichen Veränderungen auf den rund 350 ha und verbietet auch die Planung solcher Bebauung; zulässig sind nur Unterhaltungsmaßnahmen an vorhandenen Bauten und temporäre Anlagen. Damit ist das Bauverbot ein Parlamentsgesetz - eine Behörde 'blockiert' hier nicht.

  4. 4Abgeordnetenhaus von Berlin - CDU und SPD2024-04-18fordert Baugesetz

    Das Abgeordnetenhaus beschloss am 18.04.2024 mit den Stimmen von CDU und SPD eine Änderung des Tempelhofer-Feld-Gesetzes, um weitere Container für Geflüchtete auf dem Feld zu ermöglichen. Erste substanzielle Aufweichung des Schutzgesetzes seit 2016.

  5. 5Senatsverwaltung für Stadtentwicklung (Dialogwerkstätten)2024beteiligungsverfahren

    Im vom Senat einberufenen Dialogverfahren zur Zukunft des Tempelhofer Feldes sprachen sich 2024 alle zehn erarbeiteten Perspektiven für eine Weiterentwicklung ohne Bebauung aus. Das Dialogverfahren hat den Volksentscheid also bestätigt statt ihn aufzuweichen.

  6. 6Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen / Preisgericht Ideenwettbewerb2025-06-21wettbewerbsentscheidung

    Der internationale stadt- und freiraumplanerische Ideenwettbewerb wurde am 20./21.06.2025 entschieden: aus 164 Einreichungen kürte die Jury sechs Entwürfe, von denen nur zwei eine Wohnbebauung vorsehen (zwei stärken bestehende Nutzungen, zwei sind reine Landschaftsparks). Eine konkrete Wohnungszahl gibt es nicht; Senatsbaudirektorin Petra Reuther spricht von 'mindestens vierstellig'.

  7. 7Kai Wegner (CDU), Regierender Bürgermeister2024-11fordert Bauankuendigung

    Wegner kündigte an, die Berlinerinnen und Berliner 2026 parallel zur Abgeordnetenhauswahl über eine Randbebauung abstimmen zu lassen; er befürwortet eine Randbebauung mit 'rund 15.000 bis 20.000 Wohnungen'. Rechtlich blieb offen, wie eine von der Regierung initiierte Bürgerbefragung umsetzbar wäre.

  8. 8Christian Gaebler (SPD), Senator für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen2026fordert Bauzitat

    Gaebler lehnt einen neuen Volksentscheid ab und setzt auf eine Parlamentsentscheidung: 'Gesetze könnten jederzeit vom Abgeordnetenhaus geändert werden.' Das Abgeordnetenhaus solle die Bedingungen für eine ThFG-Änderung klären, danach lege die Verwaltung einen überarbeiteten Gesetzentwurf vor. Damit widerspricht er offen Wegner.

  9. 9CDU/SPD-Koalition im Umweltausschuss des Abgeordnetenhauses2026-05fordert Bauparlamentsverfahren

    Im Mai 2026 wollten CDU und SPD eine erneute Änderung des ThF-Gesetzes (Drs. 19/2659, Entfristung der Flüchtlingsunterkünfte bis 2028, neue Containeranlage am Columbiadamm für 1.000-1.100 Plätze) im Eilverfahren durch den Umweltausschuss bringen; Grüne und Linke lehnten das Schnellverfahren ab, die Koalition nahm davon am Sitzungsmorgen wieder Abstand ('Es gibt da noch Klärungsbedarf', SPD-Abgeordnete Linda Vierecke). Das Verfassungsgericht hat bestätigt, dass die Parlamentsmehrheit das Gesetz ändern kann - ein erneuter Volksentscheid ist rechtlich nicht erforderlich.

  10. 10Stefan Evers (CDU), Spitzenkandidat zur Abgeordnetenhauswahl 20262026-07fordert Bauzitat

    Evers rückt von der vereinbarten 'Volksbefragung von oben' ab und will die Randbebauung ohne erneute Abstimmung umsetzen: Die Wahl am 20.09.2026 sei 'auch eine Abstimmung über die Randbebauung am Tempelhofer Feld'. Eine Bürgerbefragung sei nach geltendem Berliner Recht nicht möglich. Er nennt eine Größenordnung von Wohnungen für rund 50.000 Menschen. Damit ist der angekündigte neue Volksentscheid faktisch vom Tisch.

  11. 11Die Linke, Fraktion im Abgeordnetenhaus2025-05-25pressemitteilung

    Die Linksfraktion steht zum Volksentscheid und lehnt eine Bebauung ab ('Heute wie vor 11 Jahren: Weite Sicht statt Bebauung auf dem Tempelhofer Feld'). Innerparteilich gibt es allerdings Stimmen, die eine Randbebauung mit Sozialwohnungen akzeptieren würden.

  12. 12Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Abgeordnetenhaus2026positionspapier

    Die Grünen verteidigen das Bauverbot ausdrücklich und berufen sich auf die 64,3 % von 2014. Argumente: Berlin habe im StEP Wohnen Flächen für rund 250.000 Wohnungen, es fehle nicht Fläche, sondern Umsetzung; Wohnungen auf dem Feld kosteten mindestens 15-19 EUR/qm; bis zur ersten Fertigstellung vergingen selbst optimistisch mindestens achteinhalb Jahre. Die Grünen sind damit als Blocker im Tracker korrekt eingeordnet.

  13. 13BUND Berlin2026-05-21pressemitteilung

    BUND-Geschäftsführerin Gabi Jung zum 12. Jahrestag des Volksentscheids: 'Eine maßvolle oder behutsame Bebauung des Feldes ist nicht möglich, auch wenn das jetzt wieder behauptet wird.' Der BUND wirft der schwarz-roten Koalition und der Baulobby vor, den Bürgerwillen zu missachten, und verweist auf zwei Millionen Quadratmeter leerstehende Bürofläche.

  14. 14Kreisverband Bündnis 90/Die Grünen Tempelhof-Schöneberg2023-03-27pressemitteilung

    Positioniert sich ausdrücklich gegen die Planungen von CDU und SPD in den Koalitionsverhandlungen, Teile des Tempelhofer Feldes zu bebauen; fordert, das Votum von 2014 ernst zu nehmen.

  15. 15Kreisverband Bündnis 90/Die Grünen Tempelhof-Schöneberg2023-08-17pressemitteilung

    'Der Volksentscheid gilt' – das Feld müsse erhalten bleiben; eine Bebauung entspanne die Wohnungssituation nicht, Neubau scheitere an Baukosten, Personal und Baustoffen, nicht an Flächen.

  16. 16Kreisverband Bündnis 90/Die Grünen Tempelhof-Schöneberg2024-03-18positionspapier

    Beschluss der Mitgliederversammlung vom 16.03.2024: Das Feld darf laut Volksentscheid und ThF-Gesetz nicht bebaut werden; wendet sich gegen Ideenwettbewerb und 'Bürgerwerkstatt' des Senats zum 'Wie' der Bebauung.

  17. 17Kreisverband Bündnis 90/Die Grünen Tempelhof-Schöneberg2024-10-28sonstiges

    Workshopreihe 'Raum für Zukunft, nicht für Beton!' mit Impuls 'Gegen die Bebauung des Tempelhofer Feldes: Echte Lösungen zur Berliner Wohnungskrise' – erkennbare Positionierung gegen die Randbebauung.

  18. 18Kreisverband Bündnis 90/Die Grünen Tempelhof-Schöneberg2025-07-05positionspapier

    Kreisverbandsbeschluss (Schwerpunkt Baumschutz am Tempelhofer Damm) positioniert sich zusätzlich 'uneingeschränkt' zum gewonnenen Volksentscheid 2014 und zum ThF-Gesetz, also gegen eine Bebauung des Feldes.

4 von 18 Belegen sind Beschlüsse oder Verwaltungsakte · 6 Gegenpositionen für den Bau · Stand 2026-08-06

Grundlage der Schätzung

Der per Volksentscheid am 25.05.2014 gestoppte Senats-Masterplan zur Randbebauung des Tempelhofer Feldes sah laut mehreren unabhängigen Quellen (taz, THF100-Initiative) 4.700 Wohnungen vor; der in der Datenbank hinterlegte Tagesspiegel-Artikel nennt 4.800. Konservativ belegte Zahl: 4.700, Spanne 4.700-4.800.

Belegte Spanne: 4.700 bis 4.800 Wohnungen

  • Quelle 1Statt der vorgesehenen „Randbebauung“ mit 4.700 Wohnungen und zahlreichen Gewerbeeinrichtungen von Bausenator Michael Müller (SPD) wird das 385 Hektar große Wiesenmeer erst einmal Frei- und Erholungsfläche"
  • Quelle 2Von 4.700 Wohnungen soll es nur für 850 Wohnungen eine gedeckelte Nettokaltmiete von sechs bis acht Euro pro Quadratmeter geben"
  • Quelle 3Das Tempelhofer Feld ist einer der größeren zusammenhängenden Bauflächen, in diesen Zahlen ist es schon eingerechnet und macht mit geplanten 4800 Wohnungen 2,1 Prozent dieser Prognose aus."

Verlässlichkeit: hoch · unabhängig gegengeprüft · Stand 2026-06-11

Wo es (nicht) entsteht.