VERZÖGERTCharlottenburg-Wilmersdorf · Vorgang vom 20.10.2020

Uhland House Wilmersdorf — 122 Wohnungen hängen im Verwaltungschaos

122
geplante Wohnungen, die nicht entstehen

Worum es geht.

An der Ecke Uhlandstraße 104–105 / Fechnerstraße 7 in Wilmersdorf will die BUWOG (Vonovia) das „Uhland House“ bauen: 122 Wohnungen auf einem Grundstück mitten im Innenstadtbereich12. Angekündigt ist das Vorhaben seit über acht Jahren2. Vorher hatte hier bereits der Investor Krieger & Schramm geplant – Abriss von 24 Bestandswohnungen, dafür 103 neue. Mieterproteste zwischen 2018 und 2020 blieben erfolglos2, zwei Investoren gaben das Projekt weiter, ohne je zu bauen1.

Einen politischen Beschluss, der den Neubau stoppt, gibt es nicht3. Die Grünen-Fraktion brachte 2020 den Antrag „Bauvorhaben Fechnerstraße/Uhlandstraße“ (DS 1697/5) ein; der Stadtentwicklungsausschuss beschloss ihn am 04.11.2020 unverändert, die BVV lehnte ihn am 19.11.2020 ab3. Ein früherer Antrag der Linken (DS 1205/5, 2019) gegen den Abriss scheiterte ebenfalls3. Die FDP-Fraktion im Bezirk verteidigte das Vorhaben bereits am 20.10.2020 öffentlich: Der Eigentümer nehme die Kritik aus der BVV konstruktiv auf, die überarbeiteten Entwicklungsstudien seien geeignet, die Ecke aufzuwerten4. Ein Abrissverbot des Bezirks hat es nie gegeben.

Was das Projekt stattdessen aufhält, sind Leitungen im Boden: Fernwärme, Wasser und Telekommunikationskabel verlaufen unter dem Grundstück und versorgen Nachbarhäuser. Sie müssen verlegt werden, bevor abgerissen werden kann. Die Berliner Energie und Wärme GmbH (BEW) erklärte Ende Januar 2026, ihr liege „bislang kein genehmigtes Konzept für Ersatzleitungen“ vor; sobald es vorliege, könne außerhalb der Heizperiode gearbeitet werden, also frühestens ab Frühjahr 20261. Die Berliner Wasserbetriebe teilten mit, man warte auf konkrete Abstimmungen mit dem beauftragten Ingenieurbüro1. Beide warten also – aufeinander und auf ein Konzept, das niemand vorlegt.

Am 14.01.2026 wurde das im Stadtentwicklungsausschuss der BVV Charlottenburg-Wilmersdorf zum Protokoll gegeben5. Auf die Frage von Bezirksverordnetem Johannes Heyne (fraktionslos), ob die Fernwärmeleitung zurückgebaut sei, antwortete Baustadtrat Christoph Brzezinski (CDU), die Umlegungsarbeiten liefen weiter; zum Fertigstellungszeitpunkt könne er „keine Auskunft geben“5. Heyne hielt fest, das Gebäude sei leergezogen und entkernt, die Abrissgenehmigung inzwischen abgelaufen5. Brzezinski räumte ein, die Situation sei nicht zufriedenstellend – der Bezirk habe „keine direkten Einwirkungsmöglichkeiten“, man werde an den Senat herantreten5. Zwei Wochen später, am 28.01.2026, berichtete das Stadtentwicklungsamt im selben Ausschuss, man organisiere „derzeit einen Termin mit dem Bauherrn“6.

Stand 2026 steht das Haus leer, fünf Ladengeschäfte sind ausgezogen, gebaut wird nicht2. Die Abrissgenehmigung ist abgelaufen, ein Baustart nicht terminiert5. 122 Wohnungen liegen auf Eis, weil sich Bezirksamt, Senatsverwaltung und die Leitungsträger nicht abstimmen1. Die FDP-Fraktion im Bezirk nannte das am 22.01.2026 ein „Armutszeugnis für Verwaltung und Politik“7.

Wer im Weg steht.

  • Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf / SenatsverwaltungBehörde
  • Berliner Energie und Wärme GmbHBehörde
  • Berliner WasserbetriebeBehörde

Belege.

Die Ziffern im Text verweisen hierher. Jeder Beleg nennt Akteur, Datum und Art des Vorgangs. Wie belastbar die Belege insgesamt sind, steht unter der Liste — ein Beschluss oder Verwaltungsakt wiegt schwerer als eine Pressemitteilung, diese schwerer als eine Anfrage. Steht ein Parlamentsbeschluss dahinter, ist die Drucksache samt Beschlusslage verlinkt; „Archiv" führt auf eine gespeicherte Fassung der Quelle, falls das Original verschwindet.

  1. 1Berliner Energie und Wärme GmbH (BEW) und Berliner Wasserbetriebe2026-01-31Berichterstattung über Aussagen der Versorger im Stadtentwicklungsausschuss

    Der BEW liege 'bislang kein genehmigtes Konzept für Ersatzleitungen' vor; sobald dieses vorliege, könnten die Arbeiten außerhalb der Heizperiode umgesetzt werden, also ab Frühjahr 2026. Die Berliner Wasserbetriebe erklärten, 'man warte auf konkrete Abstimmungen mit dem beauftragten Ingenieurbüro'. Im Stadtentwicklungsausschuss der BVV Charlottenburg-Wilmersdorf wurde deutlich, 'dass es dabei ganz offensichtlich an der Koordination beteiligter Fachabteilungen mangelt'. Eigentümerin ist die BUWOG (Vonovia); zuvor hatten zwei andere Investoren das Projekt ohne Umsetzung vorbereitet.

  2. 2Tagesspiegel (Bezirksredaktion Charlottenburg-Wilmersdorf)2026-02-01Presseberichterstattung

    Bestätigt Umfang (122 Wohnungen an der Ecke Fechner-/Uhlandstraße) und Planungsdauer (über acht Jahre). Mieterproteste gegen den angekündigten Abriss blieben erfolglos; fünf Ladengeschäfte sind ausgezogen, das Gebäude steht leer, gebaut wird nicht.

  3. 3BVV Charlottenburg-Wilmersdorf2020-11-19fordert BauBVV-Beschluss (Ablehnung)

    Der Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen 'Bauvorhaben Fechnerstraße/Uhlandstraße' (DS 1697/5) wurde am 19.11.2020 in der BVV abgelehnt, obwohl der Stadtentwicklungsausschuss ihn am 04.11.2020 ohne Änderungen beschlossen hatte. Zusammen mit dem ebenfalls nicht erfolgreichen Linke-Antrag DS 1205/5 ('Fechnerstraße 7: Wettbewerbsaufgabe überarbeiten. Sozial und ökologisch falschen Abriss verhindern.', 2019) zeigt das: Es gibt keinen bezirklichen Beschluss, der das Vorhaben blockiert.

  4. 4BVV-Fraktion FDP Charlottenburg-Wilmersdorf2020-10-20fordert Baupressemitteilung

    Verteidigt das in der BVV umstrittene Bauvorhaben an der Ecke Berliner Straße/Uhlandstraße (Fechnerstraße): die Entwicklungsstudien des Eigentümers seien geeignet, die Ecke aufzuwerten, Kritik werde konstruktiv aufgenommen.

  5. 5Bezirksstadtrat Christoph Brzezinski (CDU), Abt. Stadtentwicklung Charlottenburg-Wilmersdorf2026-01-14Amtliche Niederschrift des Ausschusses für Stadtentwicklung (70. Sitzung, TOP 4)

    Auf die Frage von BV Heyne, ob die Fernwärmeleitung an der Fechnerstraße 7 zurückgebaut sei, entgegnet BzStR Brzezinski, 'die Arbeiten für die Umlegung der Leitung liefen weiterhin'. Zur Frage nach dem Fertigstellungszeitpunkt 'könne [er] dazu keine Auskunft geben'. BV Heyne ist 'fassungslos über die lange Dauer der Bauarbeiten'; das Gebäude sei leergezogen und entkernt, 'die Abrissgenehmigung sei jedoch inzwischen abgelaufen, weshalb eine Zuführung zum Wohnungsmarkt im Raum stehe'. Brzezinski stimmt zu, 'dass die aktuelle Situation nicht zufriedenstellend sei. Der Bezirk habe keine direkten Einwirkungsmöglichkeiten, man werde jedoch an den Senat herantreten und versuchen, den Prozess so zu beschleunigen.'

  6. 6Stadtentwicklungsamt Charlottenburg-Wilmersdorf (Frau Giehler)2026-01-28Amtliche Niederschrift des Ausschusses für Stadtentwicklung (71. Sitzung, TOP 4)

    'Zum Standort Fechner-/Uhlandstraße werde derzeit ein Termin mit dem Bauherrn organisiert.' Zwei Wochen nach dem Eingeständnis fehlender Einwirkungsmöglichkeiten war die Verwaltung erst beim Terminieren eines Gesprächs mit dem Bauherrn - ein weiterer Beleg dafür, dass die Koordination und nicht ein Verbot das Projekt aufhält.

  7. 7BVV-Fraktion FDP Charlottenburg-Wilmersdorf2026-01-22fordert Baupressemitteilung

    Kritisiert, dass über 100 günstige Wohnungen Uhlandstraße/Fechnerstraße seit Jahren allein an einer ungelösten Fernwärmeleitung scheitern; niemand kümmere sich, das sei ein 'Armutszeugnis für Verwaltung und Politik'.

3 von 7 Belegen sind Beschlüsse oder Verwaltungsakte · 3 Gegenpositionen für den Bau · Stand 2026-08-06

Wo es (nicht) entsteht.