Worum es geht.
Auf dem 37 Hektar großen Areal der Trabrennbahn Karlshorst an der Treskowallee 119/163 sollten die denkmalgeschützte Bahn erhalten und der Erhalt über Wohnungsbau an den Rändern gegenfinanziert werden. Das städtebauliche Konzept von 2020 sah rund 500 Wohnungen und 44.000 Quadratmeter Gewerbefläche vor. Am 21.12.2021 fasste das Bezirksamt Lichtenberg unter Baustadtrat Kevin Hönicke (SPD) den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan 11-178: Sondergebiete für Pferdesport und für Kultur und Soziales, Wohnungsbau am westlichen und nördlichen Rand1. Eine Drucksache der Bezirksverwaltung rechnete mit 490 Wohnungen in zwei Abschnitten — 170 und 320 Wohnungen — und Fertigstellung bis 20292.
Die entscheidende Bremse sitzt seither im Senat. Schon am 08.09.2021, also drei Monate vor dem Aufstellungsbeschluss, stellte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung fest, dass der Bebauungsplan nicht aus dem Flächennutzungsplan entwickelbar ist: Das Gelände ist dort Grünfläche, die geplante Siedlungsentwicklung würde „weit in den bestehenden Grünraum hineinragen“3. Ohne Änderung des Flächennutzungsplans ist Wohnungsbau an dieser Stelle rechtlich unmöglich3. Im März 2022 leitete der Senat das Änderungsverfahren ein — und ließ es liegen. In der Beteiligung 2022 gingen 99 Stellungnahmen ein; sie sind bis heute nicht ausgewertet. Seit etwa 2023 ruht das Verfahren, die Senatsbauverwaltung hat sich nicht positioniert. Damit hängt das gesamte Projekt an einer Entscheidung, die seit über vier Jahren nicht getroffen wird.
Auch im Bezirk blieb vieles liegen. Schon am 17.01.2022, vier Wochen nach dem Aufstellungsbeschluss, kündigte die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen einen Aufhebungsantrag gegen den Bebauungsplan 11-178 an: Das Gelände sei im Flächennutzungsplan Grünfläche, die Senatsverwaltung habe die Siedlungsentwicklung abgelehnt; Baustadtrat Hönicke hielt dagegen an den Wohnbaupotenzialen fest4. Den Einwohnerantrag „Keine Zerstörung der Trabrennbahn!“ lehnte die BVV Lichtenberg am 17.03.2022 ab. Der 2022 mit der Drucksache DS/2172/VIII beschlossene Runde Tisch fand über vier Jahre lang nicht statt56. Am 23.01.2025 beschloss die BVV auf Antrag der Grünen-Fraktion die DS/1451/IX „Bebauungsplan 11-178 Trabrennbahn Karlshorst fortführen“5 — der Antrag verlangt ausdrücklich die Fortführung des Verfahrens und rügt, dass fast drei Jahre ohne förmlichen Verfahrensschritt vergangen sind. Antworten sollte das Bezirksamt bis Ende 2025 liefern5.
Das tat es nicht. Im Februar 2025 zog ein Grundstückseigentümer sein Einvernehmen zurück; am 23.04.2025 teilte ihm der Bezirk mit, sein Vorhaben sei ohne Bebauungsplan planungsrechtlich unzulässig6. Am 27.05.2025 wurde die Vereinbarung mit den verbliebenen Eigentümern neu gefasst, Gutachten wurden neu beauftragt6. In der Antwort auf die Kleine Anfrage KA/1003/IX räumte das Bezirksamt ein, die Ergebnisse „bis zum 4. Quartal 2025“ nicht vorlegen zu können6.
Stand 2026: Das überarbeitete städtebauliche Konzept ist nicht fertig, die Abstimmung mit dem Senat zur Flächennutzungsplan-Änderung steht aus7, der Runde Tisch hat nicht stattgefunden8. Der Verein Karlshorst e.V. erhob deswegen Aufsichtsbeschwerde gegen Bezirksstadträtin Camilla Schuler und fordert mit der „Domäne Karlshorst“ ein gemeinwohlorientiertes Modell ohne Randbebauung8. Seit dem Aufstellungsbeschluss vom 21.12.2021 wurde kein weiterer förmlicher Verfahrensschritt eröffnet7. Es gibt kein Baurecht, keinen Baustarttermin7 — und keine der 490 Wohnungen.
Wer im Weg steht.
- Senatsverwaltung für StadtentwicklungBehörde
- Bezirksamt Lichtenberg (Stadtentwicklungsamt)Behörde
- Bündnis 90/Die Grünen, BVV-Fraktion LichtenbergPartei
- Karlshorst e.V. („Domäne Karlshorst“)Bürgerinitiative
- Grundstückseigentümer mit zurückgezogener ZustimmungInvestor
Belege.
Die Ziffern im Text verweisen hierher. Jeder Beleg nennt Akteur, Datum und Art des Vorgangs. Wie belastbar die Belege insgesamt sind, steht unter der Liste — ein Beschluss oder Verwaltungsakt wiegt schwerer als eine Pressemitteilung, diese schwerer als eine Anfrage. Steht ein Parlamentsbeschluss dahinter, ist die Drucksache samt Beschlusslage verlinkt; „Archiv" führt auf eine gespeicherte Fassung der Quelle, falls das Original verschwindet.
- 1Bezirksamt Lichtenberg21.12.2021fordert Bauaufstellungsbeschluss
Das Bezirksamt Lichtenberg beschloss die Aufstellung des Bebauungsplans 11-178 (Arbeitstitel 'Trabrennbahn Karlshorst') für die Grundstücke Treskowallee 119/163. Planungsziele sind unter anderem die Sicherung der Trabrennbahn durch Festsetzung eines Sondergebiets für Pferdesport und Freizeitnutzung sowie eines Sondergebiets für Kultur und Soziales; Wohnungsbau ist an den Randbereichen vorgesehen.
- 2Bezirksverwaltung Lichtenberg01.01.2025Verwaltungsangabe (Wohnungsbaupotenzialflächen)
Eine Drucksache der Bezirksverwaltung rechnet für die Trabrennbahn Karlshorst bereits mit 490 Wohnungen in zwei Bauabschnitten — 170 Wohnungen im ersten und 320 im zweiten Abschnitt — mit angestrebter Fertigstellung bis 2029. Die tatsächliche Zahl hängt jedoch vom Bebauungsplanverfahren, den Gutachten, der Öffentlichkeitsbeteiligung und noch abzuschließenden städtebaulichen Verträgen ab.
- 3Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen01.09.2021Presseberichterstattung über Behördenposition
Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung sprach sich im September 2021 gegen die beabsichtigte Siedlungsentwicklung auf dem Areal aus, da diese 'weit in den bestehenden Grünraum hineinragen könnte'. Das Gelände ist im Flächennutzungsplan als Grünfläche dargestellt; ohne FNP-Änderung ist der Wohnungsbau nicht darstellbar.
- 4Bündnis 90/Die Grünen, BVV-Fraktion Lichtenberg17.01.2022bvv-antrag
Die Grünen-Fraktion formulierte einen Aufhebungsantrag gegen den Bebauungsplan 11-178 für die nächste BVV. Begründung: Das Gelände sei im Flächennutzungsplan Grünfläche und die Senatsverwaltung habe die Siedlungsentwicklung abgelehnt; das Bezirksamt könne den Eindruck erwecken, 'partikulare Interessen gegenüber den Interessen des Gemeinwohls stärker zu gewichten'. Gefordert wurde die Klärung, ob ein FNP-Änderungsverfahren eingeleitet werden kann. Baustadtrat Kevin Hönicke (SPD) sah demgegenüber Wohnbaupotenziale.
- 5BVV Lichtenberg23.01.2025BVV-Beschluss DS/1451/IX 'Bebauungsplan 11-178 Trabrennbahn Karlshorst fortführen' (eingebracht von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im November 2024, in den Ausschüssen geändert)
Die BVV Lichtenberg beschloss nach intensiver Ausschussberatung einen umfangreichen Fragenkatalog an das Bezirksamt, zu beantworten bis Ende 2025: wie das städtebauliche Konzept aus der Bürgerbeteiligung 2020/2021 überarbeitet wurde, welche eigene stadtentwicklungspolitische Vorstellung der Bezirk für das Areal hat, wie der bereits mit DS/2172/VIII beschlossene Runde Tisch umgesetzt wird, ob ein Flächenankauf durch das Land Berlin für öffentliches Grün oder Naturerfahrungsräume möglich ist, welche Alternativen bestehen, falls Bahn, Tribüne und Zielrichterturm nicht erhalten werden können, und ob eine Teilung des Bebauungsplans sinnvoll ist.
- 6Bezirksamt Lichtenberg01.10.2025Antwort auf Kleine Anfrage KA/1003/IX
Das Bezirksamt erklärte, die mit DS/1451/IX beschlossenen Ergebnisse nicht bis zum 4. Quartal 2025 vorlegen zu können: 'Eine Vorlage der Ergebnisse bis zum 4. Quartal 2025 ist aufgrund zeitlicher Zwänge durch Begutachtungen und Konzeptüberarbeitung nicht möglich.' Ein Grundstückseigentümer hatte im Februar 2025 seine Zustimmung zurückgezogen; am 23.04.2025 wurde ihm mitgeteilt, sein Projekt sei planungsrechtlich nicht zulässig, zumindest nicht ohne Bebauungsplan. Am 27.05.2025 wurde die gemeinsame Vereinbarung mit den verbleibenden Eigentümern neu gefasst und Gutachten wurden beauftragt. Runder Tisch nicht terminiert, keine Gespräche mit dem Land Berlin über Flächenankauf, Entscheidung über die Teilung des B-Plans zurückgestellt.
- 7Bezirksamt Lichtenberg01.03.2026Presseberichterstattung zum Stand
Im März 2026 erklärte das Bezirksamt, das überarbeitete städtebauliche Konzept für die Trabrennbahn Karlshorst sei noch nicht abgeschlossen und die Ergebnisse der laufenden Fachgutachten lägen nicht vor; bis März 2026 gab es zudem keine weiteren Abstimmungen mit der Senatsverwaltung zur Änderung des Flächennutzungsplans. Seit dem Aufstellungsbeschluss vom 21.12.2021 wurde kein weiterer förmlicher Verfahrensschritt eröffnet; ein rechtskräftiger Bebauungsplan existiert nicht, folglich bestehen weder Baurecht für die Wohnungen noch verbindliche Baustarttermine.
- 8Karlshorst e.V.05.06.2026petition
Der Verein Karlshorst e.V. lehnt die geplante Randbebauung mit rund 500 Wohnungen ab und fordert stattdessen die 'Domäne Karlshorst' — ein gemeinwohlorientiertes Modell in öffentlicher Trägerschaft nach dem Vorbild der Domäne Dahlem mit Pferdesport, Bildung, Stadtnatur und Kultur. Der Verein erhob Aufsichtsbeschwerde bei der Senatsverwaltung gegen Bezirksstadträtin Camilla Schuler, weil der durch BVV-Beschluss zugesagte Runde Tisch nicht umgesetzt worden sei und der Bezirk das Ergebnis vorwegnehme. Bezirksamt und Pferdesportpark Berlin-Karlshorst e.V. als Betreiber unterstützen dagegen den Bebauungsplan.
Weitere Quellen
- entwicklungsstadt.de: Gemeinwohl statt Randbebauung — neue Debatte um die Trabrennbahn Karlshorst (20.02.2026) ↗
- meinBerlin: Sicherung und Weiterentwicklung der Trabrennbahn Karlshorst (Vorhaben 2022-00566) ↗
- Berliner Woche: Bezirksamt fasste Aufstellungsbeschluss — Bebauungsplan für Trabrennbahn Karlshorst in Sicht ↗
- Berliner Zeitung: Stadtgut statt Spekulationsobjekt — aus der Trabrennbahn soll die Domäne Karlshorst werden ↗
- Wikipedia: Trabrennbahn Karlshorst (Areal 37 ha, Denkmalensemble, städtebauliches Konzept 2020 mit 500 Wohnungen) ↗
3 von 8 Belegen sind Beschlüsse oder Verwaltungsakte · 1 Gegenposition für den Bau · Stand 2026-08-06