Worum es geht.
Der Steglitzer Kreisel sollte rund 330 Eigentumswohnungen bekommen. Das Land Berlin verkaufte das Hochhaus 2018 für gut 20 Millionen Euro an die CG Gruppe, die später in der Adler Group aufging; angekündigt war ein Investment von 277 Millionen Euro, die Baugenehmigung für den Umbau stammt von 2017. Für das Vorhaben rissen die Investoren 70 Mietwohnungen im Sockel ab1; die SPD-Fraktion in der BVV setzte am 30.09.2020 durch, dass sich das Bezirksamt beim Investor für bezahlbaren Ersatzwohnraum einsetzt2.
Fertig wurde nichts. Der Bauantrag für den Gebäudeteil E, das Parkhaus, ging am 15.11.2021 beim Bezirksamt ein und war im Mai 2026 — nach über viereinhalb Jahren — noch immer nicht beschieden3. Wohnungskäufer klagten und gewannen: Das Landgericht Berlin II (26.07.2023, Az. 20 O 55/22) und das Kammergericht (19.12.2023 und 08.02.2024, Az. 27 U 82/23) stellten fest, dass die vertraglichen Verpflichtungen der Adler Group fortbestehen und die Umsetzung möglich bleibt4. Trotzdem teilte die Adler Group den Käufern am 07.01.2026 schriftlich mit, die Wohnungen nicht mehr fertigzustellen und die Verträge rückabwickeln zu wollen5.
Dem Bezirk fehlt das Druckmittel — wegen eines Bebauungsplans von 1974. Der Plan XII-89a setzt für das Grundstück ein Kerngebiet fest, also eine Fläche für Büros, Handel und Gewerbe. Wohnungen sind dort gar nicht vorgesehen, sie wurden damals nur als Ausnahme nach § 31 Abs. 1 BauGB zugelassen6. Ein Baugebot nach § 176 BauGB, mit dem eine Kommune einen Eigentümer zum Bauen zwingen kann, wirkt aber nur für das, was der Bebauungsplan festsetzt. Weil Wohnen hier bloß geduldete Ausnahme ist, kann der Bezirk den Bau der Wohnungen nicht anordnen — so das Bezirksamt am 16.07.2026 (Drs. 19/26514)6. Städtebauliche Verträge mit Bauverpflichtung existieren laut Bezirk nicht7.
Schon am 08.12.2025 antwortete die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Elif Eralp und Niklas Schenker (Linke), es gebe „keine Möglichkeit, auf Grundlage der Bauordnung Berlin oder des Baugesetzbuchs die Fertigstellung des Bauvorhabens sicherzustellen“ (Drs. 19/24440)8. Einen Rückkauf, den Kai Wegner und Stefan Evers (beide CDU) im November 2025 öffentlich erwogen9, hat der Senat laut Antwort vom 29.05.2026 „zu keinem Zeitpunkt diskutiert oder geprüft“ (Drs. 19/26037)10. Die SPD-Fraktion im Bezirk drängt seit 2025 auf Antworten: Die Fraktionsvorsitzende Carolyn Macmillan fragte am 28.08.2025 öffentlich, warum das Bauamt die Baugenehmigung trotz Stillstands nicht entzieht11; es folgten die Kleine Anfrage 1462/VI vom 22.09.202512, deren Beantwortung durch den zuständigen CDU-Stadtrat die Fraktion als substanzlos kritisierte13, und Große Anfragen im Februar 2026 (1643/VI)1415. Steuergeld für einen Rückkauf lehnt die Fraktion ab1617 und stellte sich damit gegen den von CDU und Linken gewünschten Rückkauf18; schon 2022 hatte sie für studentisches und soziales Wohnen im Kreisel geworben und eine Verstaatlichung abgelehnt19.
In der BVV am 18.02.2026 erklärte das Bezirksamt, die Adler Group halte das Projekt formal aufrecht, wolle es aber nicht selbst fertigstellen; belastbare Eingriffsmöglichkeiten sehe man nicht20. Einen Baustillstand hat der Bezirk formal nie festgestellt: Es sei „nicht Aufgabe der bauaufsichtlichen Kontrollen, den tatsächlichen Stand der Bautätigkeit zu kontrollieren“. Stand Sommer 2026 ist keine der 330 Wohnungen bezogen, der Parkhaus-Bauantrag unbeschieden3 und kein Instrument in Sicht, das den Bau erzwingt.
Wer im Weg steht.
- Adler Group (Baustopp)Investor
- Bau- und Wohnungsaufsicht Steglitz-Zehlendorf (CDU-geführt)Behörde
Belege.
Die Ziffern im Text verweisen hierher. Jeder Beleg nennt Akteur, Datum und Art des Vorgangs. Wie belastbar die Belege insgesamt sind, steht unter der Liste — ein Beschluss oder Verwaltungsakt wiegt schwerer als eine Pressemitteilung, diese schwerer als eine Anfrage. Steht ein Parlamentsbeschluss dahinter, ist die Drucksache samt Beschlusslage verlinkt; „Archiv" führt auf eine gespeicherte Fassung der Quelle, falls das Original verschwindet.
- 1SPD-Fraktion Steglitz-Zehlendorf2020-08-17pressemitteilung
Fordert vor dem Abriss von 70 Wohnungen im Kreisel-Sockel, dass sich das Bezirksamt beim Investor für Ersatzwohnungen einsetzt.
- 2SPD-Fraktion Steglitz-Zehlendorf2020-09-30bvv-antrag
Erfolgreicher Antrag: Das Bezirksamt soll sich mit Nachdruck für bezahlbaren Ersatzwohnraum für die Mieter der beim Kreisel-Umbau abzureißenden Sockelwohnungen einsetzen.
- 3Bau- und Wohnungsaufsicht Steglitz-Zehlendorf2026-05-29verwaltungsakt
Der am 15.11.2021 eingegangene Bauantrag für den Gebäudeteil E (Parkhaus) war im Mai 2026 - nach über viereinhalb Jahren - weiterhin nicht beschieden: 'Der Antrag befindet sich weiterhin in Bearbeitung.'
- 4Landgericht Berlin II / Kammergericht Berlin2024-02-08fordert Baugerichtsentscheid
LG Berlin II (26.07.2023, Az. 20 O 55/22) und KG Berlin (19.12.2023 und 08.02.2024, Az. 27 U 82/23): Die vertraglichen Verpflichtungen der Adler Group bestehen fort, eine Unmöglichkeit der Umsetzung liegt nicht vor, wirtschaftliche Schwierigkeiten rechtfertigen keine Nichterfüllung.
- 5Adler Group2026-01-07sonstiges
Die Adler Group erklärte gegenüber den Wohnungskäufern mit Schreiben vom 07.01.2026, dass die Wohnungen nicht mehr fertiggestellt werden sollen und Rückabwicklungen angestrebt würden.
- 6Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf (Stadtplanungsamt)2026-07-16sonstiges
B-Plan XII-89a (1974) setzt Kerngebiet fest; Wohnnutzung wurde nur als Ausnahme nach Paragraf 31 Abs. 1 BauGB erlaubt. 'Auf Grundlage der damals erteilten Ausnahme für eine untergeordnete Wohnnutzung kann kein Baugebot nach Paragraf 176 BauGB erlassen werden.'
- 7Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf2026-07-16sonstiges
'Gültige städtebauliche Verträge oder sonstige Instrumente, an denen der Bezirk Steglitz-Zehlendorf beteiligt ist, existieren nicht.' Es gibt damit keinen bezirklichen Vertrag, der eine Bauverpflichtung durchsetzbar machen würde.
- 8Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen / Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf2025-12-08sonstiges
'Es gibt keine Möglichkeit, auf Grundlage der Bauordnung Berlin oder des Baugesetzbuchs die Fertigstellung des Bauvorhabens sicherzustellen.' Bezirk: Paragrafen 176 und 177 BauGB wurden geprüft, 'keine gesetzlichen Auflagen' möglich.
- 9Finanzsenator Stefan Evers (CDU) / Reg. Bürgermeister Kai Wegner (CDU)2025-11-24zitat-presse
Evers äußert Zweifel an der wirtschaftlichen Sinnhaftigkeit eines Rückkaufs; Wegner spricht von einer 'vernünftigen und finanzierbaren Lösung' unter Vorbehalt strenger Wirtschaftlichkeitsprüfungen.
- 10Senat von Berlin2026-05-29sonstiges
'Ein Rückkauf durch das Land Berlin wäre mit erheblichen wirtschaftlichen und rechtlichen Risiken verbunden und wurde deshalb zu keinem Zeitpunkt diskutiert oder geprüft.' Zuvor hatte die Senatskanzlei am 19.11.2025 gegenteilig eine Prüfung in Aussicht gestellt.
- 11SPD-Fraktion Steglitz-Zehlendorf (Carolyn Macmillan)2025-08-28fordert Bausonstiges
Fraktionsvorsitzende hinterfragt öffentlich, warum das Bauamt die Baugenehmigung für den Kreisel-Umbau trotz Stillstands nicht entzieht.
- 12SPD-Fraktion Steglitz-Zehlendorf2025-09-22fordert Bausonstiges
Kleine Anfrage 'Druckmittel zur Bekämpfung von Stillstand beim Steglitzer Kreisel': fragt nach Rechtsgrundlagen und Optionen, die Baugenehmigung von 2017 wegen fehlenden Baufortschritts anzugreifen. (1462/VI)
- 13SPD-Fraktion Steglitz-Zehlendorf2025-10-02fordert Baupressemitteilung
Berichtet über eine erneute Kleine Anfrage zum ausbleibenden Baufortschritt am Kreisel und kritisiert, dass der zuständige CDU-Stadtrat keine substanziellen Informationen liefert.
- 14SPD-Fraktion Steglitz-Zehlendorf (Carolyn Macmillan)2026-02-03fordert Baubvv-antrag
Große Anfrage der SPD-Fraktionsvorsitzenden Macmillan: Welche konkreten Schritte hat das Bezirksamt unternommen, um dem Eigentümer deutlich zu machen, dass ein weiterer Projektstillstand nicht akzeptabel ist? Die bisherigen Antworten des Stadtrats seien unzureichend.
- 15SPD-Fraktion Steglitz-Zehlendorf2026-02-16fordert Bausonstiges
Große Anfrage zu Projektstillstand und Verantwortung: fragt, ob die Adler Group die genehmigte Wohnnutzung am Kreisel noch umsetzen will und welche Schritte das Bezirksamt einleitet. (1643/VI)
- 16SPD-Fraktion Steglitz-Zehlendorf2025-11-20positionspapier
Ausführliche Begründung gegen ein erneutes öffentliches Engagement am Kreisel unter Verweis auf das Baudebakel der 1970er Jahre; kein Steuergeld für die Investoren.
- 17SPD-Fraktion Steglitz-Zehlendorf2025-11-27pressemitteilung
Kampagne mit Protest-Aufklebern 'Nein zum Kreisel – kein Steuergeld für Spekulanten': lehnt den Einsatz öffentlicher Mittel zur Rettung des Kreisel-Projekts ab.
- 18SPD-Fraktion Steglitz-Zehlendorf2025-11-25sonstiges
Verweist auf Medienberichte über den Widerstand der SPD-Fraktion gegen den von CDU und Linken gewünschten Rückkauf des Kreisels durch das Land.
- 19SPD-Fraktion Steglitz-Zehlendorf2022-03-30fordert Bausonstiges
Fraktionsvorsitzende plädiert für studentisches und soziales Wohnen im Kreisel sowie Medizin- und Kulturangebote im Sockelgeschoss; eine Verstaatlichung lehnt die Fraktion ab.
- 20Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf (BVV-Sitzung 18.02.2026)2026-02-18sonstiges
In der BVV am 18.02.2026 führte das Bezirksamt aus, die Adler Group halte das Projekt zwar formal aufrecht, wolle es aber nicht selbst fertigstellen; sämtliche rechtlichen Handlungsmöglichkeiten seien geprüft, es würden keine belastbaren Eingriffsmöglichkeiten gesehen.
Weitere Quellen
9 von 20 Belegen sind Beschlüsse oder Verwaltungsakte · 7 Gegenpositionen für den Bau · Stand 2026-08-06