VERZÖGERTPankow · Vorgang vom 13.03.2018

Stadtquartier Blankenburger Süden

8.600
geplante Wohnungen, die nicht entstehen

Worum es geht.

Im Nordosten Pankows, auf den ehemaligen Rieselfeldern zwischen Blankenburg, Heinersdorf und Karow, will das Land Berlin sein größtes neues Stadtquartier bauen: den Blankenburger Süden. Geplant sind rund 8.600 Wohnungen auf etwa 156 Hektar1, dazu Schulen, Kitas und Gewerbe. Bauherrin der Planung ist die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen; das Vorhaben läuft seit 2018 unter dem Programm „Neue Stadtquartiere“.

Gleich zu Beginn geriet es aus der Spur. Im März 2018 präsentierte Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) Varianten mit bis zu rund 10.000 Wohnungen2. Die BVV Pankow reagierte binnen zweier Wochen: Die Linksfraktion brachte am 13.03.2018 den Antrag VIII-0416 „Planungen für den Blankenburger Süden“ ein (Abschluss 03.04.2018)2, die Grünen am 21.03.2018 den Antrag VIII-0418 „Blankenburger Süden – Rahmen und Verfahren vom Kopf auf die Füße stellen!“ (Abschluss 18.04.2018)3, SPD und Linke am 28.03.2018 den Parallelantrag VIII-0437, den die BVV-Mehrheit in den Stadtentwicklungsausschuss überwies34. Parallel protestierten Siedler und Anwohner: Die Bürgerinitiative „Rettet Blankenburg“ (greenwatch e. V.) wandte sich gegen die Variante mit rund 10.600 Wohnungen und gegen den Verlust der Erholungsanlage Blankenburg und legte dazu im Frühjahr 2018 eine eigene Umfrage mit über 1.000 Teilnehmern vor5; die Bürgerinitiative „Wir sind Blankenburger“ demonstrierte am 09.11.2018 mit einer Lichterkette gegen die Senatspläne6. Im Sommer und Herbst 2018 nahmen die BVV Pankow und die Koalitionsfraktionen von SPD, Grünen und Linken im Abgeordnetenhaus die drei Großvarianten mit 9.600 bis 10.600 Wohnungen vom Tisch, die Senatsverwaltung lenkte ein7. Wie stark tatsächlich reduziert wurde, ist unscharf belegt: Die Quellen nennen für 2018 „rund 5.000“ bzw. „ca. 6.000“ Wohnungen, ein förmlicher Beschlusstext mit einer Zahl war nicht auffindbar. Die SPD-Fraktion Pankow rechnete sich 2021 an, Kleingärten, Familiengärten, Erholungsanlage und Golfplatz aus der Bebauung herausgenommen zu haben8. Heute liegt die Zielzahl wieder bei 8.6001.

Seither läuft das Verfahren, nur sehr langsam. Am 11. und 12.09.2025 entschied die Jury den städtebaulichen Realisierungswettbewerb für die Teilfläche Süd; den ersten Preis gewann Studio RW, der Entwurf ist Grundlage der weiteren Rahmen- und Masterplanung9. Um die Anbindung wird seit Jahren gestritten: Die Pankower SPD feierte Ende November 2023 die Koalitionseinigung zur Verkehrsanbindung – Verlängerung der Tram M2 und eine U9 über Heinersdorf – als Durchbruch10 und begrüßte Anfang Dezember 2023 das Verkehrskonzept des Senats11. Die Pankower Grünen forderten am 03.12.2025 per BVV-Antrag, das Bezirksamt solle die schienengebundene Verbindung zum S-Bahnhof Blankenburg durchsetzen12, und warfen dem CDU-geführten Senat am 10.12.2025 vor, den Tram-Anschluss trotz der BVV-Beschlüsse VIII-1095 und VIII-1412 aus dem Struktur- und Nutzungskonzept gestrichen zu haben1213.

Am 07.07.2026 beschloss der Senat auf Vorlage von Bausenator Christian Gaebler (SPD) eine Anpassung der Gebietskulisse1: nicht mehr benötigte Flächen entfallen, Wohnungszahl und Grundstruktur bleiben mit rund 8.600 Wohneinheiten auf etwa 156 Hektar unverändert14. Der Bebauungsplan „Alte Gärtnerei“ soll bis Ende 2027 stehen, die ersten Wohnungen ab etwa 2030 bezugsfertig sein, das gesamte Quartier erst um 2045 fertig werden14. Ein aktueller förmlicher Akt, der das Vorhaben stoppt, ist nicht erkennbar – gebremst wird es heute von der Länge des Verfahrens. Der Zwischenbericht des Bezirksamts zu den Anträgen von 2018 war am 01.06.2026 noch offen3.

Wer im Weg steht.

  • SPDPartei
  • GrünePartei
  • LinkePartei
  • BI Rettet BlankenburgBürgerinitiative
  • BI Wir sind BlankenburgerBürgerinitiative

Belege.

Die Ziffern im Text verweisen hierher. Jeder Beleg nennt Akteur, Datum und Art des Vorgangs. Wie belastbar die Belege insgesamt sind, steht unter der Liste — ein Beschluss oder Verwaltungsakt wiegt schwerer als eine Pressemitteilung, diese schwerer als eine Anfrage. Steht ein Parlamentsbeschluss dahinter, ist die Drucksache samt Beschlusslage verlinkt; „Archiv" führt auf eine gespeicherte Fassung der Quelle, falls das Original verschwindet.

  1. 1Senat von Berlin (Vorlage Senator Christian Gaebler, SPD)2026-07-07fordert Bauverwaltungsakt

    Senatsbeschluss zur Anpassung der Gebietskulisse Blankenburger Süden: rund 8.600 Wohneinheiten auf ca. 156 Hektar; Wohnungszahl und Grundstruktur bleiben unverändert, nicht mehr benötigte Flächen entfallen.

  2. 2Linksfraktion BVV Pankow2018-03-13bvv-antrag

    Antrag VIII-0416 'Planungen für den Blankenburger Süden' (Abschluss 03.04.2018) - Reaktion der BVV auf die im März 2018 von Senatorin Lompscher präsentierte Ausweitung auf rund 10.000 Wohnungen.

  3. 3BVV-Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Pankow2018-03-21bvv-antrag

    Antrag VIII-0418 'Blankenburger Süden - Rahmen und Verfahren vom Kopf auf die Füße stellen!' (Abschluss 18.04.2018); Parallelantrag VIII-0437 von SPD und Linksfraktion, Zwischenbericht des Bezirksamts noch am 01.06.2026 offen.

  4. 4SPD-Fraktion und Linksfraktion BVV Pankow2018-03-28bvv-antrag

    Gemeinsamer Beschlussentwurf von SPD und LINKE, 'Rahmen und Verfahren für den Blankenburger Süden vom Kopf auf die Füße zu stellen'; wurde von der BVV-Mehrheit in den Stadtentwicklungsausschuss überwiesen.

  5. 5Bürgerinitiative Rettet Blankenburg (greenwatch e. V.)2018-05-08sonstiges

    Wendet sich gegen die Senatsvariante mit rund 10.600 Wohnungen und gegen den Verlust der Erholungsanlage Blankenburg (83 Hektar, rund 1.360 Grundstücke, etwa 4.000 Bewohner); eigene Umfrage vom 17.04. bis 08.05.2018 mit über 1.000 Teilnehmern, 90 Prozent gegen Hochhäuser, 94 Prozent für den Erhalt der Anlage.

  6. 6Bürgerinitiative [Wir sind] Blankenburger & Berliner2018-11-09sonstiges

    Lichterkette am 09.11.2018 rund um die Erholungsanlage Blankenburg gegen die Senatspläne zum Blankenburger Süden; die Initiative fordert Wohnungsbau ohne Enteignung und Verdrängung der dort lebenden Menschen.

  7. 7BVV Pankow und Koalitionsfraktionen SPD/Grüne/Linke im Abgeordnetenhaus2018-10-01pressemitteilung

    Nach Protesten von Siedlern und Anwohnern nahmen BVV Pankow und die Koalitionsfraktionen im Abgeordnetenhaus im Sommer/Herbst 2018 die drei Varianten mit 9.600 bis 10.600 Wohnungen vom Tisch; die Senatsverwaltung lenkte ein.

  8. 8SPD-Fraktion BVV Pankow2021-03-24fordert Baupressemitteilung

    Unterstützt ausdrücklich neuen Wohnraum auf den ehemaligen Rieselfeldern im Blankenburger Süden; betont zugleich, Kleingärten, Familiengärten, Erholungsanlage und Golfplatz durch eigenen Einsatz aus der Bebauung herausgenommen zu haben.

  9. 9Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen2025-09-12fordert Bausonstiges

    Städtebaulicher Realisierungswettbewerb Teilfläche Süd am 11./12.09.2025 entschieden, 1. Preis für Studio RW; der Entwurf ist Grundlage der weiteren Rahmen- und Masterplanung.

  10. 10SPD Kreisverband Pankow2023-11-29fordert Baupressemitteilung

    Nennt die Koalitionseinigung zur Anbindung des bis etwa 2040 entstehenden Stadtquartiers Blankenburger Süden (M2-Verlängerung, U9 über Heinersdorf) einen Durchbruch; verteidigt damit die Realisierung.

  11. 11SPD Kreisverband Pankow2023-12-01fordert Baupressemitteilung

    Begrüßt das Verkehrskonzept des Senats für den Blankenburger Süden (U10-Machbarkeitsstudien, Tram) als Voraussetzung dafür, dass das neue Stadtgebiet gut angebunden entstehen kann.

  12. 12BVV-Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Pankow2025-12-03fordert Baubvv-antrag

    BVV-Antrag: Bezirksamt soll schienengebundene Anbindung des neuen Stadtquartiers an den S-Bahnhof Blankenburg durchsetzen; bekräftigt Beschluss VIII-1095 und den Rahmenplan-Beschluss VIII-1412. (VIII-1095)

  13. 13BVV-Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Pankow2025-12-10fordert Baupressemitteilung

    Fordert die Tram-Anbindung des Blankenburger Südens zum S-Bahnhof Blankenburg und kritisiert, dass der CDU-Senat den Anschluss trotz BVV-Beschluss aus dem Struktur- und Nutzungskonzept gestrichen hat.

  14. 14Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen2026-07-13sonstiges

    Bebauungsplan 'Alte Gärtnerei' soll bis Ende 2027 erarbeitet werden, erste Wohnungen ab ca. 2030 bezugsfertig, Gesamtrealisierung bis etwa 2045; die Kulissenanpassung ändert die Wohnungszahl nicht.

3 von 14 Belegen sind Beschlüsse oder Verwaltungsakte · 7 Gegenpositionen für den Bau · Stand 2026-08-06

Wo es (nicht) entsteht.