Worum es geht.
„Pankower Tor“ heißt das größte Neubauvorhaben des Bezirks Pankow: Auf dem rund 47 Hektar großen ehemaligen Rangier- und Güterbahnhof sollen etwa 2.000 Wohnungen entstehen, davon 30 Prozent gefördert — rund 600 Sozialwohnungen —, dazu eine Gemeinschaftsschule und ein komplettes neues Stadtquartier12. Die Fläche gehört der Krieger Handel SE des Möbelunternehmers Kurt Krieger, geplant haben das Quartier das Bezirksamt Pankow und die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gemeinsam mit dem Eigentümer. Diskutiert wird das Vorhaben seit 20063.
Blockiert hat es keine Partei. Die BVV Pankow drängte über Jahre fraktionsübergreifend auf Tempo: Im September 2019 beschloss sie auf Antrag von SPD, Linken, CDU und Piraten die Drucksache VII-1109, die vorbereitende und verbindliche Bauleitplanung im Parallelverfahren durchzuführen — ausdrücklich zur Beschleunigung4. Schon zuvor forderte der Ausschuss mit VII-0965, das Projekt „voranzubringen“4. Am 6. Dezember 2019 beschloss die BVV auf SPD-Initiative eine Gemeinschaftsschule auf dem Ostgelände5, 2020 legten SPD, Linke und CDU mit VIII-0958 erneut nach. Einen einzigen BVV-Antrag gegen das Projekt gibt es nicht. Auch aus der CDU kam Zuspruch: Der Abgeordnete Johannes Kraft warb 2023 dafür, zuerst infrastrukturell gut angeschlossene Flächen wie das Pankower Tor zu bebauen statt Stadtrandflächen ohne Verkehrslösung6.
Gebremst haben zwei andere Dinge. Erstens rund 16 Jahre Verhandlungen zwischen Krieger, Bezirk und Land über Verträge, Schulstandort und Kostenverteilung. Zweitens der Artenschutz: Auf dem Gelände lebt die einzige Berliner Population der Kreuzkröte. Dabei scheiterte vor allem die Senatsumweltverwaltung an sich selbst — im Oktober 2023 nahm sie ihren Bescheid zum „überwiegenden öffentlichen Interesse“, Grundlage für die Umsiedlung der Kröten nach Brandenburg, selbst zurück, nachdem das Verwaltungsgericht Berlin auf Rechtsfehler hingewiesen hatte; rund zwei Jahre waren verloren7. Im April 2025 klagte der NABU gegen einen von Senatorin Ute Bonde (CDU) persönlich unterzeichneten Ausnahmebescheid für Regenwasserkanal und 1,7 Hektar Baustelleneinrichtung — auch diesen Bescheid zog die Verwaltung daraufhin zurück8.
Am 25. März 2025 unterzeichneten Bezirk, Land und Krieger endlich den städtebaulichen, den Erschließungs- und den naturschutzrechtlichen Vertrag1. Baustadtrat Cornelius Bechtler (Grüne), der die Verträge mit aushandelte, und Senator Christian Gaebler (SPD) nannten das einen Meilenstein nach 15 Jahren1; auch die grüne BVV-Fraktion feierte die Unterzeichnung als entscheidenden Schritt9. Der Streit um die Kröten lief weiter: Am 5. März 2026 gewann Krieger in erster Instanz, am 22. April 2026 verpflichtete das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg das Unternehmen unanfechtbar, naturschutzfachliche Pflegemaßnahmen für die Kreuzkröte auf dem Gelände zu dulden10.
Stand 2026 steht kein Kran. Die Flächennutzungsplan-Änderung gilt seit dem 24. Januar 2025, der Bebauungsplan 3-60a lag vom 29. Juni bis 10. August 2026 erneut förmlich aus11; das Bezirksamt legte der BVV dazu am 17. Juni 2026 die Drucksache IX-1438 vor. Planreife-Beschluss und Festsetzung strebt der Bezirk für Ende 2026 an11, Baubeginn ist laut Projektbeteiligten frühestens 2027 — sofern keine weitere naturschutzrechtliche Klage dazwischenkommt12.
Wer im Weg steht.
- NABU (Kreuzkröten)Umwelt
- Senatsumweltverwaltung (SenMVKU)Behörde
Belege.
Die Ziffern im Text verweisen hierher. Jeder Beleg nennt Akteur, Datum und Art des Vorgangs. Wie belastbar die Belege insgesamt sind, steht unter der Liste — ein Beschluss oder Verwaltungsakt wiegt schwerer als eine Pressemitteilung, diese schwerer als eine Anfrage. Steht ein Parlamentsbeschluss dahinter, ist die Drucksache samt Beschlusslage verlinkt; „Archiv" führt auf eine gespeicherte Fassung der Quelle, falls das Original verschwindet.
- 1Bezirksamt Pankow / Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen2025-03-25fordert Baupressemitteilung
Städtebaulicher, Erschließungs- und naturschutzrechtlicher Vertrag mit Krieger notariell beurkundet: ca. 2.000 Wohnungen, davon 30 % gefördert. Baustadtrat Bechtler (Grüne) und Senator Gaebler (SPD) sprechen von einem Meilenstein nach 15 Jahren.
- 2Fraktion Bündnis 90/Die Grünen in der BVV Pankow (Cornelius Bechtler)2025-04-03fordert Baupressemitteilung
Die Grünen bezeichnen das Pankower Tor als 'zentralen Meilenstein für die Stadtentwicklung Pankows' - 2.000 Wohnungen, davon 600 gefördert; Hauptherausforderung sei der Artenschutz, nicht der politische Wille.
- 3Bündnis 90/Die Grünen, BVV-Fraktion Pankow2022-11-15fordert Bausonstiges
Fraktionsbeitrag zur Entwicklung des 47 ha großen ehemaligen Rangier- und Güterbahnhofs: wirbt dafür, an dem seit 2006 diskutierten Projekt festzuhalten und das Stadtquartier zu realisieren.
- 4BVV Pankow (Fraktionen SPD, Linke, CDU, Piraten)2019-09-03fordert Baubvv-beschluss
Drucksache VII-1109 'Projekt Pankower Tor: Vorbereitende und verbindliche Bauleitplanung im Parallelverfahren durchführen' - die BVV drängt fraktionsübergreifend auf Beschleunigung, nicht auf Blockade. Ebenso VII-0965 'Projekt Pankower Tor voranbringen'.
- 5SPD-Fraktion BVV Pankow2019-12-06fordert Baubvv-beschluss
Auf SPD-Initiative beschloss die 28. BVV eine Gemeinschaftsschule auf dem Ostgelände des Pankower Tors; die Fraktion drängt auf den Einstieg in die verbindliche Bauleitplanung.
- 6CDU Pankow / Johannes Kraft MdA2023-02-02fordert Baupressemitteilung
Fordert, zuerst infrastrukturell gut angeschlossene Flächen wie das Pankower Tor zu bebauen statt Stadtrandflächen ohne Verkehrslösung.
- 7Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt (SenMVKU)2023-10-01verwaltungsakt
SenMVKU nahm den Bescheid zum 'überwiegenden öffentlichen Interesse' (Grundlage für die Krötenumsiedlung nach Brandenburg) im Oktober 2023 vor dem Urteil zurück, nachdem das VG Berlin auf Rechtsfehler hingewiesen hatte - Verfahrensverlust von rund zwei Jahren.
- 8NABU Berlin gegen SenMVKU (Senatorin Ute Bonde, CDU)2025-04-11sonstiges
NABU klagt gegen den von Senatorin Bonde persönlich unterzeichneten Ausnahmebescheid für Regenwasserkanal-Verlegung und 1,7 ha Baustelleneinrichtung. Die Klage hat aufschiebende Wirkung; die Senatsverwaltung zieht den Bescheid daraufhin zurück.
- 9Bündnis 90/Die Grünen, BVV-Fraktion Pankow2025-03-31fordert Baupressemitteilung
Begrüßt die Unterzeichnung der städtebaulichen Verträge als entscheidenden Meilenstein; dankt Stadtrat Bechtler; auf dem Güterbahnhofsgelände soll ein Stadtquartier mit 2.000 Wohnungen entstehen.
- 10Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg2026-04-22gerichtsentscheid
Das OVG verpflichtet die Krieger Handel SE unanfechtbar, naturschutzfachliche Pflegemaßnahmen für die Kreuzkröte auf dem Gelände zu dulden; in erster Instanz hatte der Eigentümer am 05.03.2026 noch gewonnen.
- 11Projektträger / Bezirksamt Pankow2026-08-10sonstiges
Offizielle Zeitschiene: FNP-Änderung seit 24.01.2025 in Kraft; erneute förmliche Behörden- und Öffentlichkeitsbeteiligung zum B-Plan 3-60a vom 29.06. bis 10.08.2026; Planreife-Beschluss der BVV und Festsetzung für 2026 angestrebt.
- 12Tagesspiegel / Projektbeteiligte2025-09-23zitat-presse
Baustart des Milliardenprojekts frühestens 2027; durch weitere naturschutzrechtliche Klagen drohen jahrelange zusätzliche Verzögerungen.
Weitere Quellen
3 von 12 Belegen sind Beschlüsse oder Verwaltungsakte · 7 Gegenpositionen für den Bau · Stand 2026-08-06