Und dann ging es doch.
Nach fast fünf Jahren fertig: Die Senatsverwaltung kassierte im Oktober 2021 die Ablehnung des Bezirksamts vom Sommer 2020, seit Frühjahr 2025 sind an der Pallasstraße rund 219 Wohnungen bezogen.
Worum es geht.
Der Projektentwickler Diamona & Harnisch wollte im Schöneberger Winterfeldt-Kiez ein ganzes Karree neu bebauen. Das Vorhaben „Am Winterfeldt“ an Pallasstraße, Elßholzstraße und Gleditschstraße sah sieben Gebäude mit sechs Vollgeschossen plus Staffelgeschoss vor: 225 Wohnungen, acht Gewerbeeinheiten und eine Tiefgarage mit 79 Auto- und 400 Fahrradstellplätzen1.
Das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg lehnte den Bauantrag im Sommer 2020 ab1. Als untere Bauaufsichtsbehörde hielt es das Vorhaben in der beantragten Dimension für nicht genehmigungsfähig1. Politisch zuständig war die Abteilung Stadtentwicklung unter Bezirksstadtrat Jörn Oltmann (Bündnis 90/Die Grünen), seit November 2016 im Amt und seit November 2021 Bezirksbürgermeister2. Beanstandet wurden nicht die Wohnungszahl, sondern Kubatur und Gestaltung: „monotone, langgestreckte Fassaden“ von 78 Metern entlang Elßholz- und Gleditschstraße und 74 Metern entlang der Pallasstraße sowie eine zehn Meter hohe Brandwand zum zurückgesetzten Wohnhaus an der Gleditschstraße, die „aus städtebaulicher und gestalterischer Sicht äußerst unbefriedigend“ sei1.
Diamona & Harnisch legte Widerspruch ein — und bekam recht. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen unter Bausenator Sebastian Scheel (Die Linke) erteilte Mitte Oktober 2021 die Baugenehmigung3. Ihre Begründung: „Das Vorhaben orientiert sich an der in der Umgebung üblichen Bebauung, daher bestanden aus städtebaulicher Sicht keine grundsätzlichen Bedenken gegen das Bauvorhaben.“3 Die Landesbehörde hob die bezirkliche Ablehnung damit auf, knüpfte sie aber an Auflagen: rund 2.000 Quadratmeter geförderter Wohnraum, und der unmittelbar anschließende Neubau musste zurückgesetzt und an der Bauflucht des Bestandsgebäudes ausgerichtet werden3.
Parallel formierte sich Protest im Kiez. Anwohnerin Gudrun Kirchhoff schrieb einen offenen Brief an Bausenator Scheel und startete am 22. März 2021 über den Quartiersrat Schöneberger Norden die Petition „Wohnen muss für alle möglich sein — Keine Luxus-Wohnungen im Winterfeldt-Kiez“4. Befürchtet wurde die Verdrängung im Milieuschutzgebiet rund um die Gleditschstraße, angesichts angekündigter Kaufpreise zwischen 7.400 und 12.000 Euro pro Quadratmeter4. Aufgehalten hat der Protest das Projekt nicht4.
Seit Frühjahr 2025 steht das Ensemble. Baugerüste und Straßensperren sind weg, realisiert wurden rund 219 Eigentumswohnungen mit knapp 18.000 Quadratmetern Wohnfläche und acht Gewerbeeinheiten5. Die bezirkliche Ablehnung hat den Bau also nicht verhindert, sondern um rund eineinhalb Jahre verzögert — die Zeit zwischen Ablehnung im Sommer 2020 und Genehmigung durch den Senat im Oktober 202113.
Wer im Weg steht.
- GrünePartei
- Bezirksamt Tempelhof-SchönebergBehörde
- Anwohnerpetition Winterfeldt-Kiez (Quartiersrat Schöneberger Norden)Bürgerinitiative
Belege.
Die Ziffern im Text verweisen hierher. Jeder Beleg nennt Akteur, Datum und Art des Vorgangs. Wie belastbar die Belege insgesamt sind, steht unter der Liste — ein Beschluss oder Verwaltungsakt wiegt schwerer als eine Pressemitteilung, diese schwerer als eine Anfrage. Steht ein Parlamentsbeschluss dahinter, ist die Drucksache samt Beschlusslage verlinkt; „Archiv" führt auf eine gespeicherte Fassung der Quelle, falls das Original verschwindet.
- 1Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg, Bauaufsicht/Stadtentwicklungsamt2020verwaltungsakt
Das Bezirksamt hielt das Vorhaben in der beantragten Dimension für nicht genehmigungsfähig und erteilte im Sommer 2020 keine Baugenehmigung. Beanstandet wurden die 'monotonen, langgestreckten Fassaden' (78 m entlang Elßholz- und Gleditschstraße, 74 m entlang Pallasstraße) und eine resultierende 10-Meter-Brandwand zum zurückgesetzten Wohnhaus an der Gleditschstraße, die 'aus städtebaulicher und gestalterischer Sicht äußerst unbefriedigend' sei. Geplant waren 225 Wohnungen und acht Gewerbeeinheiten in sieben Gebäuden mit sechs Vollgeschossen plus Staffelgeschoss, Tiefgarage mit 79 Kfz- und 400 Fahrradstellplätzen.
- 2Jörn Oltmann (Bündnis 90/Die Grünen)2016-11amtszuordnung
Oltmann war seit November 2016 stellvertretender Bezirksbürgermeister und Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung und Bauen in Tempelhof-Schöneberg und damit zum Zeitpunkt der Ablehnung 2020 politisch zuständig; seit November 2021 ist er Bezirksbürgermeister. Belegt die Parteizuordnung 'Grüne' für die bezirkliche Ablehnung.
- 3Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen (Bausenator Sebastian Scheel, Die Linke)2021-10fordert Bauwiderspruchsentscheidung
Nach dem Widerspruch von Diamona & Harnisch erteilte die Senatsverwaltung Mitte Oktober 2021 die Baugenehmigung. Begründung der Senatsverwaltung: 'Das Vorhaben orientiert sich an der in der Umgebung üblichen Bebauung, daher bestanden aus städtebaulicher Sicht keine grundsätzlichen Bedenken gegen das Bauvorhaben.' Auflage war die Aufnahme geförderter Wohnungen (rund 2.000 qm); der unmittelbar anschließende Neubau wurde zurückgesetzt und an der Bauflucht des Bestandsgebäudes ausgerichtet. Damit hob eine Landesbehörde die bezirkliche Blockade auf.
- 4Anwohnerinitiative / Quartiersrat Schöneberger Norden, Gudrun Kirchhoff2021-03-22petition
Anwohnerin Gudrun Kirchhoff schrieb einen offenen Brief an Bausenator Sebastian Scheel und startete die Online-Petition 'Wohnen muss für alle möglich sein - Keine Luxuswohnungen im Winterfeldt-Kiez'. Befürchtet wurde die Gentrifizierung des Milieuschutzgebiets rund um die Gleditschstraße durch Kaufpreise zwischen 7.400 und 12.000 EUR/qm. Der im Tracker genannte Anwohnerprotest ist damit belegt - er hat das Projekt aber nicht verzögert oder verhindert.
- 5Diamona & Harnisch (Vorhabenträger)2025-04fordert Bauprojektstand
Das Ensemble 'Am Winterfeldt' ist fertiggestellt, sämtliche Baugerüste und Straßensperren sind entfernt; realisiert wurden rund 219 Eigentumswohnungen mit knapp 18.000 qm Wohnfläche und acht Gewerbeeinheiten. Der Tracker-Status 'blockiert' ist damit überholt.
3 von 5 Belegen sind Beschlüsse oder Verwaltungsakte · 2 Gegenpositionen für den Bau · Stand 2026-08-06