Und dann ging es doch.
Nach sieben Jahren ohne eigene Zeile in der Investitionsplanung ist der Bebauungsplan 7-82a seit dem 11.07.2025 festgesetzt, der Polizeineubau mit rund 22 Millionen Euro für 2028 terminiert und der Baustart der ersten Wohnungen für Herbst 2026 angesetzt.
Worum es geht.
Auf dem rund 62 Hektar großen Rathausquartier östlich des Tempelhofer Damms, zwischen Götz- und Albrechtstraße12, soll seit dem BVV-Beschluss von 2019 die „Neue Mitte Tempelhof“ entstehen: rund 500 Wohnungen auf landeseigenen Flächen an der Götzstraße, ausdrücklich bezahlbar und mit hohem Genossenschaftsanteil, dazu ein Kultur- und Bildungshaus mit Bezirkszentralbibliothek, Volkshochschule und Musikschule, ein Ersatzneubau für das Stadtbad, eine neue Polizeidienststelle und die Erweiterung des Rathauses Tempelhof12. Bauherr ist das Land Berlin, federführend die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gemeinsam mit dem Bezirk Tempelhof-Schöneberg. Der spätere BVV-Antrag von SPD, Grünen und Linken nennt sogar 525 dringend benötigte Wohneinheiten3.
Der Wohnungsbau hängt an einer Kette, die alle Beteiligten „Rochade“ nennen: Erst wenn die Polizeidienststelle an der Götzstraße 36 neu gebaut ist, können Schwimmbad und Bibliothek verlagert werden – erst dann werden die Flächen für die Wohnungen frei14. Im Antrag steht es wörtlich: „ohne den Neubau des Polizeigebäudes kann die ‚Rochade‘ der anderen neu zu errichtenden öffentlichen Einrichtungen Schwimmbad und Bibliothek im Planungsgebiet ‚Neue Mitte Tempelhof‘ nicht begonnen werden“4. Wer den ersten Stein nicht setzt, verhindert alle folgenden.
Genau diese Schlüsselbauten tauchten jahrelang in keiner Haushaltszeile auf. Im Haushaltsentwurf des Senats für 2023 waren weder die Neue Mitte noch der Pflegecampus am Wenckebach-Klinikum mit Geld hinterlegt, die Baukosten fehlten in der Investitionsplanung des Landes bis 2026 (Bericht vom 11.09.2023)5. Die Senatsverwaltung für Inneres und Sport priorisierte die beiden Vorhaben in ihrer Zuständigkeit – Polizeineubau und Schwimmbad – nicht, obwohl die Finanzplanung 2021–2025 für die Dienststelle bereits 21,5 Millionen Euro auswies14. DIE LINKE fragte am 18.10.2023 in der BVV nach: „Bleibt die ‚Neue Mitte Tempelhof‘ eine Fata Morgana?“ (Elisabeth Wissel, Harald Gindra, Dr. Christine Scherzinger)1. Am 15.11.2024 ersuchten SPD, Grüne und Linke das Bezirksamt mit dem gemeinsamen Antrag Drucksache 1293/XXI, die Finanzierungsraten für Polizeistation, Schwimmbad, Kultur- und Bildungszentrum und Rathauserweiterung in die Investitionsplanung 2024–2028 zu bringen, mit Bericht an die BVV bis Januar 20253. Abgelehnt hat das Projekt nie jemand. Es wurde schlicht nicht angemeldet.
Inzwischen ist die Blockade gelöst. Der Senat beschloss am 25.03.2025 den Bebauungsplanentwurf, der Bebauungsplan 7-82a wurde am 11.07.2025 festgesetzt und am 29.07.2025 im Gesetz- und Verordnungsblatt bekanntgemacht – rund 500 Wohnungen sind damit planungsrechtlich gesichert6. Der Zeitplan, Stand 29.04.2026: erste Wohnungen ab Herbst 2026, Haus der Jugendverbandsarbeit und Polizeidienststelle 2028, für die jetzt rund 22 Millionen Euro veranschlagt sind7, Rathaussanierung ab 2030, Kulturhaus ab 20322. Gemessen am Beschluss von 2019 heißt das: sieben Jahre bis zum ersten Spatenstich für Wohnungen und mehr als ein Jahrzehnt, bis die öffentlichen Bauten stehen2.
Wer im Weg steht.
- Senatsverwaltung für Inneres und SportBehörde
- Senat von Berlin (Haushalts- und Investitionsplanung)Behörde
Belege.
Die Ziffern im Text verweisen hierher. Jeder Beleg nennt Akteur, Datum und Art des Vorgangs. Wie belastbar die Belege insgesamt sind, steht unter der Liste — ein Beschluss oder Verwaltungsakt wiegt schwerer als eine Pressemitteilung, diese schwerer als eine Anfrage. Steht ein Parlamentsbeschluss dahinter, ist die Drucksache samt Beschlusslage verlinkt; „Archiv" führt auf eine gespeicherte Fassung der Quelle, falls das Original verschwindet.
- 1Elisabeth Wissel, Harald Gindra, Dr. Christine Scherzinger (DIE LINKE)18.10.2023fordert BauGroße Anfrage in der BVV
Große Anfrage 'Bleibt die „Neue Mitte Tempelhof“ eine Fata Morgana?' mit acht Fragen zu Abstimmung mit der Senatsverwaltung, Mitteleinwerbung und Umsetzungsstand der vier Schlüsselbauten (Polizeidienststelle, Schwimmhalle, Bezirkszentralbibliothek, Rathauserweiterung). Die Anfrage spricht vom „Kernbereich des rd. 62 ha großen Stadtumbaugebiets“ und von rd. 500 Wohneinheiten. Aus der Antwort: Ein privater Dienstleister wurde Anfang 2023 zur Strukturierung des Gesamtprojekts beauftragt, eine Umsetzungs-Roadmap wurde für Ende 2023/Anfang 2024 erwartet; Kultur- und Bildungsbau sowie Rathauserweiterung bedürfen einer Prüfung durch den Senat. „Mit der Verlagerung der Polizei soll ein erster wichtiger Schritt erzielt werden“; der Polizeineubau wurde jedoch nicht in die „Investitionsplanung 2023 – 2027“ aufgenommen, „dies ist nach Abstimmung mit Innen- und Senatsfinanzverwaltung durch eine Ausnahmeregelung machbar“ (Ausnahme für besonders begründete Einzelfälle). Zum Kombibad heißt es, die Machbarkeitsuntersuchung sei in „finaler Abstimmung“, „Angaben zum Zeitplan der Umsetzung können erst nach Abschluss der Haushaltsberatung gemacht werden.“
- 2Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg / Senatsverwaltung für Stadtentwicklung (Planungs- und Sachstand)29.04.2026Sachstand und Umsetzungszeitplan
„Der Senat hat den Bebauungsplanentwurf 7-82a am 25. März 2025 beschlossen.“ Das Vorhaben liegt rund um das Rathaus Tempelhof, Götzstraße, Franckepark und Tempelhofer Damm. Geplant sind etwa 500 Wohnungen, ein Kultur- und Bildungshaus mit Bezirkszentralbibliothek, Volkshochschule und Musikschule, ein Stadtbad-Ersatzneubau, ein Neubau für die Polizeidirektion 4 / Abschnitt 44 sowie die Erweiterung des Rathauses Tempelhof. Zum Zeitplan (Stand 29.04.2026): „erste Wohnungen ab Herbst 2026, Haus der Jugendverbandsarbeit und Polizeidienststelle ab 2028, Rathaus-Sanierung ab 2030, Kulturhaus ab 2032“.
- 3SPD-, Grünen- und Linksfraktion in der BVV Tempelhof-Schöneberg15.11.2024fordert BauGemeinsamer BVV-Antrag (Drucksache 1293/XXI)
Die BVV ersucht das Bezirksamt, sich bei den zuständigen Stellen dafür einzusetzen, dass die erforderlichen Mittel für das Projekt 'Neue Mitte Tempelhof' und die städtebauliche Neuordnung ('Rochade') in die Investitionsplanung 2024 bis 2028 aufgenommen werden – konkret Finanzierungsraten für a) Neubau der Polizeistation, b) Neubau des Schwimmbades, c) Neubau des Kultur- und Bildungszentrums, d) Erweiterung des Rathauses Tempelhof. Bis Januar 2025 ist der BVV zu berichten, einschließlich des Sachstands zum Haus der Jugendverbände. In der Begründung werden '525 dringend benötigte, bezahlbare Wohneinheiten' als Ziel genannt; eingebracht von Harald Gindra.
- 4Senatsverwaltung für Inneres und Sport15.11.2024Unterlassen / fehlende Priorisierung in der Investitionsplanung
Die Begründung des Antrags zitiert die Rochade wörtlich: „ohne den Neubau des Polizeigebäudes kann die ‚Rochade‘ der anderen neu zu errichtenden öffentlichen Einrichtungen Schwimmbad und Bibliothek im Planungsgebiet ‚Neue Mitte Tempelhof‘ nicht begonnen werden“. Für den Neubau der Polizeidienststelle weist sie die Haushaltsstelle „Kapitel 1250, Titel 70512“ mit „Gesamtkosten in Höhe von 21,5 Mio. €“ aus der Finanzplanung 2021 bis 2025 aus, ohne dass die Mittel in der Investitionsplanung veranschlagt sind; Ziel sind '525 dringend benötigte, bezahlbare Wohneinheiten'. Verwiesen wird auf eine Antwort des Senats auf eine Abgeordnetenanfrage vom 03.02.2022 (Drs. 19/10854).
- 5Senat von Berlin (Haushaltsentwurf / Investitionsplanung)11.09.2023Haushaltsentwurf ohne Mittelansatz
Weder die Entwicklung der 'Neuen Mitte Tempelhof' noch der geplante Pflegecampus am Wenckebach-Klinikum waren im Haushaltsentwurf des Berliner Senats für 2023 mit Finanzmitteln hinterlegt; die geplanten Baukosten des Projekts waren in der Investitionsplanung des Landes Berlin bis 2026 nicht enthalten. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung erklärte öffentlich, am Vorhaben festhalten zu wollen, der Ausgang der Gespräche zwischen Senat und Bezirk war jedoch offen.
- 6Senat von Berlin / Land Berlin (Bebauungsplanverfahren Neue Mitte Tempelhof)11.07.2025fordert BauVerwaltungsakt: Festsetzung des Bebauungsplans 7-82a
Die offizielle Verfahrensseite des Landes Berlin hält fest: „Der Bebauungsplan wurde daraufhin am 11. Juli 2025 festgesetzt und am 29. Juli 2025 im Gesetz- und Verordnungsblatt 2025 bekanntgemacht.“ Zuvor gilt: „Der Entwurf des Bebauungsplanes wurde am 25.03.2025 durch den Senat von Berlin beschlossen.“ Der Plan sichert planungsrechtlich Flächen für ein allgemeines Wohngebiet mit „über 500 Wohneinheiten“ sowie Gemeinbedarfseinrichtungen, eine öffentliche Parkanlage und eine Kleingartenanlage rund um das Rathaus Tempelhof. Damit ist die planungsrechtliche Blockade aufgehoben.
- 7meinTempelhofSchöneberg (Bezirksportal)23.01.2026Bericht mit Kostenangabe zum Polizeineubau
Der Bericht nennt den Umsetzungsfahrplan mitsamt Kostenansatz für die Polizei: „Der Zeitplan ist ambitioniert: 2026 starten die Wohnbauten, 2027 das Pfadfinderheim, 2028 die Polizeidirektion in der Götzstraße mit 22 Millionen Euro. Später folgen Rathaus-Sanierung ab 2030 und das Kulturhaus ab 2032.“ Damit ist die im Text genannte Größenordnung von rund 22 Millionen Euro für den Neubau der Polizeidienststelle an der Götzstraße belegt.
Weitere Quellen
- Drucksache 1293/XXI – Die Neue Mitte Tempelhof muss jetzt kommen! (BVV-Informationssystem Tempelhof-Schöneberg) ↗
- Finanzierung nicht eingeplant: Ungewisse Zukunft für das größte Bauprojekt in Berlin-Tempelhof (Tagesspiegel, 10.09.2023, Paywall) ↗
- Baustart 2026: Wohnprojekt „Neue Mitte Tempelhof“ kommt (entwicklungsstadt.de, 26.03.2025) ↗
- Senat beschließt Entwurf des Bebauungsplans für die „Neue Mitte Tempelhof“ (Senatskanzlei, 25.03.2025) ↗
- Neue Mitte Tempelhof – Stadtquartier (offizielle Projektseite Berlin.de) ↗
1 von 7 Belegen sind Beschlüsse oder Verwaltungsakte · 3 Gegenpositionen für den Bau · Stand 2026-08-06