Worum es geht.
Am Schiffbauerdamm in Mitte, direkt neben dem Parlamentsviertel, liegt eine der größten Brachen der Innenstadt: das Areal Luisenblock Ost II. Bund und Land Berlin wollten dort gemeinsam ein Quartier bauen — keine reine Bürostadt, sondern eine Mischung aus Arbeiten und Wohnen. Die Auslobung des Wettbewerbs schrieb mindestens 40 Prozent Wohnanteil an der Bruttogeschossfläche fest1, vorgesehen waren rund 150 Wohnungen im Rahmen der Wohnungsfürsorge des Bundes2. 77 Planungsteams reichten bis zum 17.04.2026 Entwürfe ein13.
Am 20.05.2026 zog der Bundestag die Reißleine — und zwar geschlossen. Die Bau- und Raumkommission des Deutschen Bundestages beschloss einstimmig, den eigenen Flächenbedarf für Luisenblock Ost II aufzugeben4. Damit entfielen 29.500 Quadratmeter Bruttogeschossfläche, rund 45 Prozent des geplanten Bauvolumens2; die Einsparung beziffert der Bundestag auf mindestens 600 Millionen Euro4. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) begründete den Schritt mit der Haushaltslage: „Gerade bei knappen Kassen dürfen wir keine teuren Erweiterungen des Parlaments vorantreiben, die wir nicht zwingend brauchen."5 Kommissionsvorsitzender und Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour (Grüne) stellte klar, dass der Beschluss quer durch das Haus getragen wurde: „Die Anregung zu diesem Schritt kam aus den Fraktionen, um das Signal zu senden: Wir wollen sparen, wo wir können."6 Das ist also kein Alleingang zweier Parteien, sondern eine Entscheidung des gesamten Parlaments. Der erste Bauabschnitt des Luisenblocks läuft weiter4.
Gekippt hat der Bund seinen eigenen Büroflächenbedarf — nicht das Wohnquartier als solches. Genau das macht den Fall aber so heikel: Der größte Bauherr springt mitten im laufenden Verfahren ab. Die Bundesarchitektenkammer kritisierte den Rückzug am 22.05.2026 öffentlich, weil der Wettbewerb zu diesem Zeitpunkt noch lief1.
Entschieden wurde er trotzdem. Am 09./10.06.2026 tagte die Jury1, am 12.06.2026 teilte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen unter Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt mit, der Wettbewerb sei „trotz des Beschlusses des Deutschen Bundestages, das Areal Luisenblock Ost II nicht mehr bebauen zu wollen", abgeschlossen worden3. Berlin stimmt sich seither mit dem Bund darüber ab, wie das städtische Quartier doch noch realisiert werden kann3.
Stand 2026 ist das Areal weiter unbebaut. Der Bebauungsplan 1-69 wird nach dem Wettbewerb komplett neu aufgesetzt, ob das Siegerteam Folgeaufträge erhält, ist offen2. Die rund 150 Wohnungen aus der Bundes-Wohnungsfürsorge sind damit auf absehbare Zeit vom Tisch2 — gebaut wird an einer der prominentesten Brachen der Hauptstadt vorerst nichts.
Wer im Weg steht.
- Deutscher Bundestag (Bau- und Raumkommission)Behörde
Belege.
Die Ziffern im Text verweisen hierher. Jeder Beleg nennt Akteur, Datum und Art des Vorgangs. Wie belastbar die Belege insgesamt sind, steht unter der Liste — ein Beschluss oder Verwaltungsakt wiegt schwerer als eine Pressemitteilung, diese schwerer als eine Anfrage. Steht ein Parlamentsbeschluss dahinter, ist die Drucksache samt Beschlusslage verlinkt; „Archiv" führt auf eine gespeicherte Fassung der Quelle, falls das Original verschwindet.
- 1Bundesarchitektenkammer2026-05-22fordert Baupressemitteilung
BAK kritisiert den Rückzug des Bundes bei laufendem Wettbewerb (Abgabe der Wettbewerbsarbeiten am 17.04.2026, Preisgericht am 09./10.06.2026). Die Auslobung forderte eine ausgewogene Nutzungsmischung mit mind. 40 % Wohnanteil.
- 2entwicklungsstadt.de (Fachpresse)2026-06-11sonstiges
Rund 150 Wohnungen waren im Rahmen der Wohnungsfürsorge des Bundes vorgesehen. 'Für den Deutschen Bundestag waren 29.500 Quadratmeter oberirdische Bruttogrundfläche vorgesehen. Das entsprach rund 45 Prozent der geplanten oberirdischen Fläche.' Der Bebauungsplan 1-69 wird nach Abschluss des Wettbewerbs neu aufgesetzt; unklar, ob das Siegerteam Folgeaufträge erhält.
- 3Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen / Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt2026-06-12fordert Baupressemitteilung
'Insgesamt 77 interdisziplinäre Planungsteams aus den Bereichen Architektur, Stadtplanung und Landschaftsarchitektur haben Entwürfe für das Areal am Schiffbauerdamm erarbeitet.' 'Der Wettbewerb wurde trotz des Beschlusses des Deutschen Bundestages, das Areal Luisenblock Ost II nicht mehr bebauen zu wollen, vor allem aus Respekt vor der bereits geleisteten Arbeit der 77 Planungsteams mit der Auswahl der besten Konzepte abgeschlossen.' Berlin stimmt sich mit dem Bund ab, wie das städtische Quartier trotzdem realisiert werden kann.
- 4Bau- und Raumkommission des Deutschen Bundestages2026-05-20sonstiges
Die Kommission beschloss einstimmig, den Flächenbedarf des Bundestages für Luisenblock Ost II aufzugeben. Das Projekt hätte nach derzeitigem Stand mindestens 600 Mio. € gekostet. Bauabschnitt I läuft weiter: 'Die Bauarbeiten für Teil 1 mit Bundestagsbüros und abhörsicheren Tagungsräumen sollen in Kürze beginnen.'
- 5Julia Klöckner (CDU), Bundestagspräsidentin2026-05-20zitat-presse
'Gerade bei knappen Kassen dürfen wir keine teuren Erweiterungen des Parlaments vorantreiben, die wir nicht zwingend brauchen.' Klöckner begründet den Ausstieg mit der Haushaltslage.
- 6Omid Nouripour (Grüne), Bundestagsvizepräsident und Kommissionsvorsitzender2026-05-20zitat-presse
'Die Anregung zu diesem Schritt kam aus den Fraktionen, um das Signal zu senden: Wir wollen sparen, wo wir können.' Damit ist der Beschluss ausdrücklich fraktionsübergreifend getragen, nicht nur von CDU und Grünen.
Weitere Quellen
5 von 6 Belegen sind Beschlüsse oder Verwaltungsakte · 2 Gegenpositionen für den Bau · Stand 2026-08-06