Worum es geht.
Auf rund 1,2 Hektar zwischen Kiehlufer, Harzer und Treptower Straße in Nord-Neukölln sollten rund 300 Wohnungen entstehen, dazu Gewerbe im Erdgeschoss — 80 Prozent Wohnen, 20 Prozent Gewerbe, an der Harzer Straße bis zu sieben Geschosse, die Tiefgarage erschlossen über die Treptower Straße. 30 Prozent der Wohnungen sollten mietpreis- und belegungsgebunden sein. Entwickelt hat das Quartier die Incept GmbH, eine Tochter der Berliner Ziegert Group; Ziegert Immobilien sollte die Wohnungen verkaufen. Der Investor plante Baustart Mitte 2026 und Fertigstellung Mitte 2029.
Das Planungsrecht kam nie hinterher. Das Bezirksamt Neukölln fasste den Einleitungsbeschluss für den Bebauungsplan 8-70ba („Harzer Straße 53 / Kiehlufer 113/115“) am 5. November 20131 — damals noch für das größere Plangebiet 8-70. Der Änderungsbeschluss folgte erst am 13. Februar 2024, die frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung lief vom 22. April bis 10. Mai 20241. Elf Jahre nach dem Einleitungsbeschluss gab es für das Grundstück immer noch kein Baurecht1.
Am 25. März 2025 meldeten Incept und die Ziegert Group Insolvenz an. Das Amtsgericht Charlottenburg bestellte den Berliner Anwalt Friedemann Schade zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Die Unternehmen nannten als Gründe hohe Zinsen, gestiegene Baukosten und Kaufzurückhaltung. Im Juni 2025 wurde das Verfahren eröffnet, am 26. Juni 2025 übernahm der britische Investor Arrow Global über seine deutsche Tochter wesentliche Vermögenswerte der Ziegert Group — darunter das Projekt am Kiehlufer.
Die BVV-Fraktionen von SPD und Grünen reagierten mit dem Antrag 1926/XXI vom 23. Juli 2025: Das Bezirksamt solle mit dem neuen Vorhabenträger mindestens 50 Prozent mietpreisgebundenen Wohnraum, einen Ausschluss von Mikroappartements und möblierten Wohnungen sowie höchstens 20 Prozent Gewerbeanteil vertraglich vereinbaren2. Am 7. Oktober 2025 empfahl der Ausschuss für Stadtentwicklung die Annahme — SPD, Grüne und Linke dafür, CDU dagegen3. Auf Vorschlag der Verwaltung ersetzte der Ausschuss „sicherzustellen“ durch „hinzuwirken“: 50 Prozent seien rechtlich nicht haltbar3. Das Bezirksamt von Stadtrat Jochen Biedermann (Grüne) erklärte in derselben Sitzung, ein halbes Jahr nach dem Verkauf aus der Insolvenzmasse bestehe „noch kein Kontakt zu den neuen Eigentümern“, und 50 Prozent Mietpreisbindung seien im Berliner Modell der kooperativen Baulandentwicklung nicht regelbar4.
Stand 2026 ist der Bebauungsplan 8-70ba weiterhin nicht festgesetzt. Es gibt kein Baurecht, keinen Baubeginn und keine öffentlich bestätigte Zusage von Arrow Global zu Zahl, Preisbindung oder Zeitplan der Wohnungen. Aus dem Beschluss der BVV ist bislang keine vertragliche Bindung geworden.
Wer im Weg steht.
- Ziegert/Incept (Insolvenz)Investor
- Bezirksamt Neukölln, Stadtentwicklungsamt (B-Plan 8-70ba seit 2013)Behörde
Belege.
Die Ziffern im Text verweisen hierher. Jeder Beleg nennt Akteur, Datum und Art des Vorgangs. Wie belastbar die Belege insgesamt sind, steht unter der Liste — ein Beschluss oder Verwaltungsakt wiegt schwerer als eine Pressemitteilung, diese schwerer als eine Anfrage. Steht ein Parlamentsbeschluss dahinter, ist die Drucksache samt Beschlusslage verlinkt; „Archiv" führt auf eine gespeicherte Fassung der Quelle, falls das Original verschwindet.
- 1Bezirksamt Neukölln, Stadtentwicklungsamt2013-11-05verwaltungsakt
Einleitungsbeschluss zum B-Plan 8-70ba (Harzer Str. 53 / Kiehlufer 113/115). Änderungsbeschluss erst 13.02.2024, frühzeitige Beteiligung 22.04.-10.05.2024. Über elf Jahre Verfahren ohne Baurecht bis zur Insolvenz 2025.
- 2SPD- und Grünen-Fraktion BVV Neukölln2025-07-23bvv-antrag
Antrag 1926/XXI: Bezirksamt soll mit dem neuen Vorhabenträger mind. 50 % mietpreisgebundenen Wohnraum, Ausschluss von Mikroappartements/möblierten Wohnungen und max. 20 % Gewerbeanteil vertraglich sicherstellen.
- 3Ausschuss für Stadtentwicklung der BVV Neukölln (SPD, Grüne, Linke gegen CDU)2025-10-07bvv-beschluss
Ausschuss empfiehlt Annahme von 1926/XXI mehrheitlich (SPD/Grüne/Linke, CDU dagegen). "Sicherzustellen" wird auf Vorschlag der Verwaltung durch "hinzuwirken" ersetzt, weil 50 % rechtlich nicht haltbar wären.
- 4Bezirksstadtrat Jochen Biedermann (Grüne), Bezirksamt Neukölln2025-10-07sonstiges
Bezirksamt im Ausschuss: Nach dem Verkauf aus der Insolvenzmasse besteht "noch kein Kontakt zu den neuen Eigentümern"; 50 % Mietpreisbindung seien im Berliner Modell der kooperativen Baulandentwicklung nicht regelbar.
Weitere Quellen
3 von 4 Belegen sind Beschlüsse oder Verwaltungsakte · Stand 2026-08-06