VERZÖGERTTreptow-Köpenick · Vorgang vom 17.12.2024

Kaserne Hessenwinkel — 450 Wohnungen auf Ex-NVA-Gelände

450
geplante Wohnungen, die nicht entstehen

Worum es geht.

Auf dem rund fünf Hektar großen Gelände der ehemaligen NVA- und Grenztruppen-Kaserne Hessenwinkel in Rahnsdorf, zwischen Fürstenwalder Allee 356 und Wolfgang-Steinitz-Straße, will die landeseigene STADT UND LAND Wohnbauten-Gesellschaft mbH 450 Wohnungen bauen, dazu eine Kita mit rund 60 Plätzen und eine Quartiersgarage mit bis zu 460 Stellplätzen1. Das Bezirksamt Treptow-Köpenick fasste am 17.12.2024 den Einleitungsbeschluss zum vorhabenbezogenen Bebauungsplan 9-100 VE (Drs. IX/0933)2. Schon im Januar 2025 beantragten die Fraktionen von SPD, Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen eine Einwohnerversammlung zum Vorhaben3; im März 2025 wiederholten sie den Vorstoß gemeinsam mit den FDP-Verordneten und forderten, STADT UND LAND und die BIM hinzuzuziehen4.

In der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung vom 2. bis 25.04.2025 – mitten in den Osterferien – gingen rund 1.700 Einwendungen ein, dazu kritische Stellungnahmen von Naturschutzverbänden5. Der Bürgerverein Wilhelmshagen-Rahnsdorf e.V. sammelte den Protest und formulierte ihn so: „Wir sind nicht grundsätzlich gegen Wohnungsbau – lehnen aber eine Hochhaussiedlung und vollständig anonymen Mietwohnungsbau in dieser verdichteten Form ab.“5 STADT UND LAND überarbeitete daraufhin das Konzept: Bis September 2025 sank die Geschosszahl von sieben bis acht auf fünf bis sechs67, ein zusätzliches fünfgeschossiges Wohngebäude hält die Zahl von 450 Wohnungen6.

Parallel brachten die Fraktionen von SPD, Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen am 03.06.2025 den interfraktionellen Antrag Drs. IX/1065 „Maßvolle Entwicklung der ehemaligen Kaserne Hessenwinkel“ ein (Verordnete: Manuel Tyx, Uwe Doering, Sven Dohnalek)89. Er ersucht das Bezirksamt, bei STADT UND LAND auf eine maßvolle, ökologisch und ökonomisch nachhaltige Entwicklung ohne weitere Nachverdichtung hinzuwirken – das Vorhaben und die 450 Wohnungen stellt er ausdrücklich nicht infrage8. Nach zwei Vertagungen beschloss die BVV Treptow-Köpenick den Antrag am 27.11.2025 unverändert mit 42 Ja zu 8 Nein bei 0 Enthaltungen (Beschluss 0639/39/25)10. Ein weitergehender Änderungsantrag der AfD-Fraktion um Denis Henkel, der die Geschosszahl an die Nachbarbebauungspläne binden sollte, fiel durch10.

Die eigentliche Bremse kam aus dem Waldrecht. Die Berliner Forsten stellten am 19.08.2025 für rund 2,3 Hektar im Plangebiet die Waldeigenschaft nach § 2 Landeswaldgesetz fest und rieten dringend zu Abständen von über 30 Metern zum angrenzenden Bestand11. Im Vorabstimmungstermin zur Waldumwandlung am 11.06.2026 stuften die Fachbehörden die geplanten Abstände im Osten und Westen von nur 10 bis 17 Metern zum Buchenbestand als zu gering und die Flächen als gesperrt ein11. Am 13.07.2026 schrieben Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD) und Bezirksstadträtin Dr. Claudia Leistner (Grüne) an STADT UND LAND: Eine Überarbeitung des städtebaulichen Konzepts sei notwendig11.

Stand 2026 liegt das Verfahren damit erneut beim Vorhabenträger. Die 46 Behördenstellungnahmen aus der Beteiligung nach § 4 Abs. 1 BauGB fordern zusätzlich Artenschutz-, Schall- und Verkehrsgutachten12. Altlasten sind nachrangig: Nur ein Teilbereich steht im Bodenbelastungskataster (Nr. 6561)12, und für das Wasserschutzgebiet bestehen nach Rückbau der elf Tiefbrunnen „keine prinzipiellen Einwände“12. Ein verbindlicher Baustart existiert nicht – gebaut wird frühestens Anfang der 2030er Jahre1.

Wer im Weg steht.

  • Berliner ForstenBehörde
  • Bürgerverein Wilhelmshagen-Rahnsdorf e.V.Bürgerinitiative

Belege.

Die Ziffern im Text verweisen hierher. Jeder Beleg nennt Akteur, Datum und Art des Vorgangs. Wie belastbar die Belege insgesamt sind, steht unter der Liste — ein Beschluss oder Verwaltungsakt wiegt schwerer als eine Pressemitteilung, diese schwerer als eine Anfrage. Steht ein Parlamentsbeschluss dahinter, ist die Drucksache samt Beschlusslage verlinkt; „Archiv" führt auf eine gespeicherte Fassung der Quelle, falls das Original verschwindet.

  1. 1STADT UND LAND Wohnbauten-Gesellschaft mbH2025fordert Bauprojektstand

    Auf dem rund 4,7 bis 5 ha großen Gelände zwischen Fürstenwalder Allee 356 und Wolfgang-Steinitz-Straße sind 450 Wohnungen, eine Kita mit rund 60 Plätzen und eine Quartiersgarage mit bis zu 460 Stellplätzen geplant. Ein verbindlicher Baustart existiert nicht; derzeit ist der Baubeginn für die frühen 2030er Jahre vorgesehen.

  2. 2Bezirksamt Treptow-Köpenick2024-12-17fordert Bauaufstellungsbeschluss

    Einleitungsbeschluss zum vorhabenbezogenen Bebauungsplanverfahren 9-100 VE 'Kaserne Hessenwinkel' an der Fürstenwalder Allee vom 17.12.2024 (Drs.-Nr. IX/0933). Vorhabenträgerin ist die landeseigene STADT UND LAND Wohnbauten-Gesellschaft mbH.

  3. 3BVV-Fraktionen SPD, Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen Treptow-Köpenick2025-01-21bvv-antrag

    Antragstext: BVV beschließt Einwohnerversammlung zum Bauvorhaben Kaserne Hessenwinkel (B-Plan 9-100 VE, Drs. IX/0933) für Rahnsdorf/Hessenwinkel zu Wohnungsbau, Flüchtlingsunterkunft und Feuerwache.

  4. 4BVV-Fraktionen SPD, Die Linke, Bündnis 90/Die Grünen und FDP-Verordnete Treptow-Köpenick2025-03-05bvv-antrag

    Interfraktioneller Antrag auf eine Einwohnerversammlung zum Bauvorhaben Kaserne Hessenwinkel (B-Plan 9-100 VE) unter Hinzuziehung von Stadt und Land sowie BIM; zusätzliche Beteiligungsrunde.

  5. 5Bürgerverein Wilhelmshagen-Rahnsdorf e.V. und Anwohnerschaft2025-04einwendungen

    In der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung nach Paragraf 3 Abs. 1 BauGB (02.-25.04.2025, in den Osterferien) gingen rund 1.700 Einwendungen ein, teils sehr ausführliche schriftliche Stellungnahmen; auch Naturschutzverbände reichten kritische Stellungnahmen ein. Position des Vereins: 'Wir sind nicht grundsätzlich gegen Wohnungsbau - lehnen aber eine Hochhaussiedlung und vollständig anonymen Mietwohnungsbau in dieser verdichteten Form ab.'

  6. 6Bezirksamt Treptow-Köpenick / STADT UND LAND2025-09planungsaenderung

    Nach den Einwendungen wurde das städtebauliche Konzept überarbeitet (Stand September 2025): Reduzierung von sieben bis acht auf fünf bis sechs Geschosse (Ausnahme: siebengeschossige Quartiersgarage, zweigeschossige Kita), zum Ausgleich ein zusätzliches fünfgeschossiges Wohngebäude. Die Zahl von 450 Wohnungen bleibt erhalten.

  7. 7BVV-Fraktion SPD Treptow-Köpenick (interfraktionell mit Linke und Grünen)2025-06-26pressemitteilung

    Feiert als Erfolg des eigenen Antrags zur 'maßvollen Entwicklung', dass auf dem Kasernengelände keine achtgeschossigen Wohnhäuser mehr geplant werden, sondern maximal sechs Stockwerke.

  8. 8SPD, Die Linke, B'90/Grüne in der BVV Treptow-Köpenick (Manuel Tyx, Uwe Doering, Sven Dohnalek)2025-06-03bvv_antrag

    Interfraktioneller Antrag Drs. IX/1065 'Maßvolle Entwicklung der ehemaligen Kaserne Hessenwinkel', eingebracht am 03.06.2025, in der BVV am 12.06.2025 überwiesen. Inhalt: Das Bezirksamt soll bei STADT UND LAND darauf hinwirken, dass das Gebiet maßvoll sowie ökologisch und ökonomisch nachhaltig entwickelt wird und keine weitere Nachverdichtung stattfindet, um den offenen Charakter zu erhalten. Begründung: Rücksicht auf die angrenzende Einfamilienhaus- und Kleinsiedlungsbebauung; die Antragsteller unterstützen das Vorhaben ausdrücklich.

  9. 9BVV-Fraktion SPD Treptow-Köpenick2025-06-05bvv-antrag

    Antrag 'Maßvolle Entwicklung der ehemaligen Kaserne Hessenwinkel': Bezirksamt soll bei Stadt und Land darauf hinwirken, dass keine weitere Nachverdichtung im städtebaulichen Konzept stattfindet.

  10. 10BVV Treptow-Köpenick2025-11-27bvv_beschluss

    Beschluss Nr. 0639/39/25 zu Drs. IX/1065, gefasst am 27.11.2025 'ohne Änderungen in der BVV beschlossen' mit dem Abstimmungsergebnis 42 Ja / 8 Nein / 0 Enthaltungen; zuvor am 13.11.2025 im Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauen und Umwelt- und Naturschutz ohne Änderungen beschlossen (zweimal vertagt am 26.06. und 22.09.2025). Ein weitergehender AfD-Änderungsantrag vom 12.06.2025 (Fraktionsvorsitzender Denis Henkel), der die Geschosszahl an die Nachbar-B-Pläne XVI-58 und XVI-81 binden wollte, setzte sich nicht durch.

  11. 11Berliner Forsten (Landesbetrieb) / Bezirksamt Treptow-Köpenick2026-07-17zwischenbericht

    2. Zwischenbericht des Bezirksamts vom 17.07.2026 zu Beschluss 0639/39/25: In der Behördenbeteiligung stellten die Berliner Forsten am 19.08.2025 für eine rund 2,3 ha große Fläche im Plangebiet 9-100 VE die Waldeigenschaft nach Paragraf 2 Landeswaldgesetz fest und rieten dringend zu Abständen von über 30 m zum angrenzenden Waldbestand. Im Vorabstimmungstermin zur Waldumwandlung am 11.06.2026 wurden die Abstände im Osten und Westen (ca. 10-17 m zum Buchenbestand) als zu gering und als 'gesperrte Flächen' eingestuft. Am 13.07.2026 wandte sich das Bezirksamt schriftlich an STADT UND LAND und verdeutlichte, 'dass angesichts der geschilderten Thematik der sog. gesperrten Flächen eine Überarbeitung des anliegenden städtebaulichen Konzepts (bzw. des Vorhabenplans) notwendig ist'. Unterzeichnet von Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD) und Bezirksstadträtin Dr. Claudia Leistner (Grüne). Das ist der aktuell wirksamste Verzögerungsgrund - nicht die Altlasten.

  12. 12Bezirksamt Treptow-Köpenick, Behördenbeteiligung nach Paragraf 4 Abs. 1 BauGB2026-01-06zwischenbericht

    1. Zwischenbericht vom 06.01.2026: 46 Stellungnahmen von Behörden und Trägern öffentlicher Belange. Zu den Altlasten heißt es lediglich, ein Teilbereich des Plangebiets sei im Bodenbelastungskataster Berlin unter Nr. 6561 geführt, weshalb die Bodenschutzbehörde bei Eingriffen zu beteiligen sei. Zum Wasserschutzgebiet: Nach Rückbau der elf Tiefbrunnen erfolgt der technische Vollzug als weitere Schutzzone III A, es bestehen 'keine prinzipiellen Einwände gegen die Planungsziele aus Sicht des Grundwasserschutzes'. Weitere Auflagen: Artenschutzfachbeitrag (Fledermäuse, Vögel, Reptilien, Amphibien), Biotoptypenkartierung, schalltechnisches Gutachten, Niederschlagsentwässerung mit Überflutungsnachweis, Verkehrsuntersuchung mit SenMVKU, Quartiersgarage für mindestens 530 statt 450 Pkw empfohlen. Die im Tracker als zentral genannte Altlastensanierung ist damit nur einer von vielen und nicht der ausschlaggebende Punkt.

5 von 12 Belegen sind Beschlüsse oder Verwaltungsakte · 2 Gegenpositionen für den Bau · Stand 2026-08-06

Wo es (nicht) entsteht.