VERZÖGERTPankow · Vorgang vom 20.10.2020

Karow-Süd — bis zu 5.000 Wohnungen hängen in früher Planung

5.000
geplante Wohnungen, die nicht entstehen

Worum es geht.

Im Nordosten Pankows soll eines der größten Wohnungsbauvorhaben Berlins entstehen: der Projektverbund Karow Süd. Auf rund 100 Hektar bündelt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen drei Teilflächen — Karow-Süd, An der Laake/Straße 52 und Am Teichberg1. Geplant sind dort nach Angaben der Senatsverwaltung 3.500 bis 5.000 Wohnungen1. Baurecht gibt es bis heute keines, die Planung steckt laut Senat weiterhin „in einem frühen Stadium"1.

Den ersten Bremsklotz setzte die Bezirksverordnetenversammlung Pankow. Im Oktober 2020 empfahl sie den Bürgerantrag VIII-0927 „Karow ist schön und soll es auch bleiben!" zur Annahme2, im November 2020 beschloss sie ihn mit großer Mehrheit3. Eingebracht hatten ihn der Karower Bürgerverein Wir für Karow und der Bezirksverordnete Johannes Kraft (CDU)4; getragen wurde der Antrag von Verordneten aus drei Fraktionen: Kraft, Matthias Zarböck (Die Linke) und Roland Schröder (SPD)2. Der Antrag nennt keine Höchstzahl an Wohnungen, sondern Bedingungen: Das Bezirksamt soll die Verkehrsproblematik im Pankower Nordosten, das Schichtenwasserproblem und eine ortsverträgliche Begrenzung von Dichte und Höhe lösen, bevor gebaut wird2. Der Tagesspiegel rechnete vor, dass bei Umsetzung statt der ursprünglich geplanten über 3.000 Wohnungen nur noch rund 2.000 übrig blieben3.

2021 zog der Streit sich durch den Bezirk. Im Mai forderte der CDU-Kreisverband Pankow eine Neuauflage der gesamten Rahmenplanung5. Am 16. Juni 2021 lehnten CDU- und SPD-Fraktion einen Beschluss des Bezirksamts ab und pochten auf VIII-0927467; Kraft kündigte an, ohne Überarbeitung werde es „keine Stimme für die Bebauungspläne" geben4. Am 19. August 2021 machte die Senatsverwaltung unter Senator Sebastian Scheel (Die Linke) Schluss mit der Hängepartie und zog das Planverfahren an sich — begründet mit gesamtstädtischer Bedeutung und den personellen wie finanziellen Kapazitätsproblemen des Bezirksamts8. Bezirksstadtrat Vollrad Kuhn (Grüne) nannte das am 14. September 2021 „übergriffig"9, hielt eine Rückholung der Planungshoheit aber für aussichtslos.

Seitdem plant das Land, und der Widerstand läuft weiter über die CDU. Im August 2022 machte Johannes Kraft, inzwischen Abgeordneter, ein leistungsfähiges Mobilitätskonzept zur Voraussetzung für den Bau der Quartiere und verwies auf über 3.500 Karowerinnen und Karower, die einen Einwohnerantrag gegen die Senatspläne unterstützten10; im November 2023 und im September 2024 legte er nach1112. Bausenator Christian Gaebler (SPD) hält dagegen: Im November 2023 bekräftigte er die Maximalzahl von bis zu 5.000 Wohnungen — obwohl in der Bezirkspolitik Konsens für rund 2.000 bestand und das Bezirksamt selbst ein Maximalszenario von 3.542 Haushalten als optimal bewertet hatte13.

Stand 2026 ist kein Bebauungsplan festgesetzt, kein Spatenstich terminiert. Der Senat strebt den Baustart weiter in dieser Legislaturperiode an. Bis dahin bleiben in Karow bis zu 5.000 Wohnungen auf dem Papier.

Wer im Weg steht.

  • Wir für Karow e.V.Bürgerinitiative
  • Bezirksamt PankowBehörde
  • CDU (Johannes Kraft, Einwohnerantrag und Rahmenplanung)Partei
  • SPD-Fraktion BVV Pankow (Beschluss VIII-0927)Partei
  • Linksfraktion BVV Pankow (Mitantragstellerin VIII-0927)Partei

Belege.

Die Ziffern im Text verweisen hierher. Jeder Beleg nennt Akteur, Datum und Art des Vorgangs. Wie belastbar die Belege insgesamt sind, steht unter der Liste — ein Beschluss oder Verwaltungsakt wiegt schwerer als eine Pressemitteilung, diese schwerer als eine Anfrage. Steht ein Parlamentsbeschluss dahinter, ist die Drucksache samt Beschlusslage verlinkt; „Archiv" führt auf eine gespeicherte Fassung der Quelle, falls das Original verschwindet.

  1. 1Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen2026-08-06sonstiges

    Offizielle Projektseite: drei Teilflächen (Karow Süd, An der Laake/Straße 52, Am Teichberg) auf rund 100 ha, ca. 3.500 bis 5.000 Wohneinheiten; Verfahren seit Sommer 2021 beim Senat, Planung 'in einem frühen Stadium'.

  2. 2BVV Pankow (Bürgerantrag VIII-0927, eingebracht von BV Johannes Kraft/CDU, BV Matthias Zarböck/Linksfraktion, BV Roland Schröder/SPD)2020-10-20bvv-beschluss

    Bürgerantrag 'Karow ist schön und soll es auch bleiben!' (VIII-0927): Bezirksamt soll Verkehrsproblematik im Nordosten, Schichtenwasserproblem und ortsverträgliche Begrenzung von Dichte und Höhe VOR Baubeginn lösen.

  3. 3BVV Pankow2020-11-12bvv-beschluss

    Die BVV Pankow beschloss den Antrag 'mit großer Mehrheit'; Infrastruktur (S-/U-Bahn) müsse vor Baubeginn stehen. Statt ursprünglich mehr als 3.000 Wohnungen käme man bei Umsetzung auf rund 2.000.

  4. 4CDU-Fraktion BVV Pankow (Johannes Kraft)2021-06-16pressemitteilung

    CDU-Fraktion fordert sofortige Überarbeitung der Rahmenplanung Karow und Aufhebung des Bezirksamtsbeschlusses. Kraft: 'ohne eine Überarbeitung der Planungen im Sinne des Antrages wird es keine Stimme für die Bebauungspläne geben'. Die Mitteilung benennt die Initiative bzw. den Verein 'Wir für Karow' als Mit-Einbringer des Bürgerantrags 'Karow ist schön und soll es auch bleiben!'.

  5. 5CDU-Kreisverband Pankow2021-05-10pressemitteilung

    Verlangt die Neuauflage der Rahmenplanung Karow (Karow-Süd, Am Teichberg, Straße 52), weil Anwohneranregungen und die Verkehrserschließung nicht aufgenommen wurden; unterstützt den Einwohnerantrag in der BVV.

  6. 6SPD-Fraktion BVV Pankow / SPD Pankow (Roland Schröder)2021-06-16pressemitteilung

    'BVV-Beschlüsse ernst nehmen': SPD-Fraktion verweist auf VIII-0927 und lehnt den Bezirksamtsbeschluss ab; Verdichtung erst nach Lösung von Schichtenwasser- und Verkehrsproblemen.

  7. 7SPD-Fraktion BVV Pankow2021-06-16pressemitteilung

    Pocht auf Umsetzung des BVV-Beschlusses VIII-0927 'Karow ist schön und soll es auch bleiben': Verkehrs- und Schichtenwasserproblematik im Nordosten sind zu lösen, bevor weitergeplant wird. (VIII-0927)

  8. 8Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen (Senator Sebastian Scheel, Die Linke)2021-08-19fordert Bauverwaltungsakt

    Die Senatsverwaltung zieht das Planverfahren Karow Süd an sich; Begründung: gesamtstädtische Bedeutung sowie personelle und finanzielle Kapazitätsprobleme des Bezirksamts Pankow.

  9. 9Bezirksstadtrat Vollrad Kuhn (Bündnis 90/Die Grünen), Bezirksamt Pankow2021-09-14zitat-presse

    Kuhn nennt das Senatshandeln 'übergriffig', hält eine Rückholung der Planungshoheit aber für aussichtslos; sein Bezirksamt fühle sich mit dem Projekt überfordert. Die BVV lehne das Vorhaben 'in dieser Form' ab.

  10. 10CDU-Kreisverband Pankow / Johannes Kraft MdA2022-08-18pressemitteilung

    Fordert ein leistungsfähiges Mobilitätskonzept als Voraussetzung für den Bau der bis zu 4.800 Wohnungen (Am Teichberg, Straße 52, Karow-Süd); verweist auf über 3.500 Karower, die den Einwohnerantrag gegen die Senatspläne unterstützen.

  11. 11CDU-Kreisverband Pankow / Johannes Kraft MdA2023-11-11pressemitteilung

    Kritisiert die Wohnungsbaupläne in Karow: Bebauung nur gemeinsam mit den Anwohnern und verträglich; die bisherigen Senatsplanungen erfüllen das aus seiner Sicht nicht.

  12. 12CDU-Kreisverband Pankow / Johannes Kraft MdA2024-09-20pressemitteilung

    Verlangt, dass vor dem Bau neuer Quartiere - ausdrücklich auch Karow-Süd - eine echte und verbindliche Verkehrslösung für den Pankower Nordosten steht. Kernthema der PM ist aber die Alte Schäferei, Karow-Süd nur in der Aufzählung.

  13. 13Bausenator Christian Gaebler (SPD)2023-11-13fordert Bauzitat-presse

    Der Bausenator hält an der Maximalzahl von bis zu 5.000 Wohnungen fest, obwohl in der Bezirkspolitik Konsens für rund 2.000 Wohnungen bestand und das Bezirksamt ein Maximalszenario von 3.542 Haushalten als optimal bewertet hatte.

3 von 13 Belegen sind Beschlüsse oder Verwaltungsakte · 2 Gegenpositionen für den Bau · Stand 2026-08-06

Wo es (nicht) entsteht.