VERZÖGERTMarzahn-Hellersdorf · Vorgang vom 13.12.2022

Helene-Weigel-Platz — Luxustürme gegen Anwohnerprotest

430
geplante Wohnungen, die nicht entstehen

Worum es geht.

Am Helene-Weigel-Platz in Marzahn-Süd wollen die Investoren Vivion und Ten Brinke rund 430 Wohnungen bauen — in mehreren Hochhäusern rund um das bestehende Ortsteilzentrum, ursprünglich mit bis zu 18 Geschossen. Statt die Vorhaben nach § 34 BauGB zu genehmigen, entschied sich das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf für den langen Weg: Am 13. Dezember 2022 beschloss es die Aufstellung des Bebauungsplans 10-125 „Helene-Weigel-Platz Ost“1, das Verfahren 10-124 für die Westseite folgte. Damit lief ein volles Bauleitplanverfahren an, mit frühzeitiger Öffentlichkeitsbeteiligung vom 25. November bis 20. Dezember 2024 und einer Einwohnerversammlung am 3. Dezember 20241. Baustadträtin Heike Wessoly (CDU) erklärte im November 2024, eine Entwicklung solle „grundsätzlich ermöglicht“ werden, müsse aber „behutsam und baulich respektvoll“ erfolgen2.

Parallel dazu machten Grüne und Linke den Anwohnerprotest zur parlamentarischen Sache. Die Grünen-Fraktion beantragte am 18. September 2023 mit Drucksache 1417/IX Ensembleschutz für die Bebauung rund um den Platz — Wohnhochhäuser, Schwimmhalle, Ärztehäuser und altes Rathaus sollten unter Denkmalschutz3. Am 24. Januar 2024 forderten die Grünen zusätzlich zu den B-Plan-Verfahren ein „umfassendes Informations- und Beteiligungsverfahren“ samt eigener Website4. Am 23. Mai 2024 beschloss die BVV mit den Stimmen von Linken und Grünen beides: das zusätzliche Beteiligungsverfahren und den Auftrag an das Bezirksamt, „alle zur Verfügung stehenden Mittel gegen eine weitere Verdichtung am Platz“ einzusetzen5. Der Fraktionsvorsitzende der Linken, Björn Tielebein, nannte es „nicht hinzunehmen“, dass die Anwohnerschaft in die Planung nicht einbezogen und „vor vollendete Tatsachen gestellt“ werden solle6. Am 20. Februar 2025 beantragte Die Linke eine städtebauliche Erhaltungsverordnung; CDU und SPD lehnten geschlossen ab7. Regina Kittler (Linke) warf beiden vor, sie stellten „Investoreninteressen vor die Sorgen der Anwohnerschaft“7.

Die CDU fuhr zweigleisig. Am 27. März 2025 nahm die BVV den Antrag zum Einwohnerantrag der Anwohnerinitiative mit den Stimmen fast aller Fraktionen an — die CDU-Fraktion enthielt sich geschlossen8. Eine Woche später, am 4. April 2025, verteilte der CDU-Abgeordnetenhausabgeordnete Christian Gräff eine Wurfsendung an alle Haushalte am Platz: Hochhausneubau Richtung Alexanderplatz sei „schlichtweg verboten“, er werde zwei der vier Türme „mit einem Antrag im Bezirksparlament“ selbst verhindern9. Zuvor hatte Gräff das Vorhaben befürwortet9. Am 19. Juni 2025 nahm die BVV den Einwohnerantrag der Initiative mit über 2.000 Unterschriften einstimmig an, 40 Ja-Stimmen, keine Gegenstimme10. Die SPD-Fraktion, die die Erhaltungsverordnung mit abgelehnt hatte, forderte in einem Antrag zur BVV vom 22. Mai 2025 eine „zukunftsgerechte Entwicklung“ des Platzes11; Fraktionsvorsitzender Günther Krug berichtete im Juli 2025, die Bürgerinitiative habe die besondere Unterstützung der gesamten BVV gefunden12.

Das CDU-geführte Bezirksamt legte danach eine weitere Schleife auf: Baustadträtin Heike Wessoly (CDU) rief am 19. November 2025 zur Bewerbung für einen 25-köpfigen „Beirat Helene-Weigel-Platz“ auf, der die Verfahren 10-124 und 10-125 zusätzlich begleitet13. Der Beirat konstituierte sich am 8. Dezember 2025, die dritte Sitzung war für Ende März 2026 angesetzt13. Die Wirkung auf das Projekt ist messbar: Die Höhen sanken von bis zu 18 auf 11 bis 15 Geschosse, die Türme direkt am Platz entfielen. Ein Baubeginn steht bis heute nicht fest.

Wer im Weg steht.

  • Anwohnerinitiative Helene-Weigel-PlatzBürgerinitiative
  • BVV-Mehrheit Linke und Grüne (Beschlüsse gegen weitere Verdichtung)Partei
  • CDU (Christian Gräff MdA)Partei

Belege.

Die Ziffern im Text verweisen hierher. Jeder Beleg nennt Akteur, Datum und Art des Vorgangs. Wie belastbar die Belege insgesamt sind, steht unter der Liste — ein Beschluss oder Verwaltungsakt wiegt schwerer als eine Pressemitteilung, diese schwerer als eine Anfrage. Steht ein Parlamentsbeschluss dahinter, ist die Drucksache samt Beschlusslage verlinkt; „Archiv" führt auf eine gespeicherte Fassung der Quelle, falls das Original verschwindet.

  1. 1Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf, Stadtentwicklungsamt2022-12-13verwaltungsakt

    Aufstellungsbeschluss B-Plan 10-125 'Helene-Weigel-Platz Ost' (10-124 West folgte); frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung 25.11.-20.12.2024, Einwohnerversammlung 3.12.2024 - statt Genehmigung nach § 34 BauGB läuft ein volles Bauleitplanverfahren.

  2. 2Heike Wessoly, Bezirksstadträtin für Stadtentwicklung (CDU)2024-11-22zitat-presse

    'Eine Entwicklung soll grundsätzlich ermöglicht werden, diese muss jedoch behutsam und baulich respektvoll erfolgen' - die B-Pläne 10-124/10-125 sollen sicherstellen, dass sich die Bebauung 'in die Nachbarschaft einfügt'.

  3. 3BVV-Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Marzahn-Hellersdorf2023-09-18bvv-antrag

    Antrag DS-1417/IX: Ensembleschutz für die Bebauung rund um den Helene-Weigel-Platz (drei Wohnhochhäuser, Schwimmhalle, Ärztehäuser, altes Rathaus) - Denkmalinstrument gegen Umbau/Neubau.

  4. 4BVV-Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Marzahn-Hellersdorf2024-01-24bvv-antrag

    Antrag: Bezirksamt soll über die formellen B-Plan-Verfahren 10-124/10-125 hinaus ein 'umfassendes Informations- und Beteiligungsverfahren' samt eigener Website auflegen und BVV/Anwohnende bei allen Planungsschritten früh einbinden.

  5. 5BVV Marzahn-Hellersdorf (Mehrheit Die Linke + Grüne)2024-05-23bvv-beschluss

    Zwei Anträge von Linke und Grünen fanden Mehrheiten: Bezirksamt soll ein umfassendes Informations- und Beteiligungsverfahren starten UND 'alle zur Verfügung stehenden Mittel gegen eine weitere Verdichtung am Platz' einsetzen.

  6. 6Björn Tielebein, Fraktionsvorsitzender Die Linke, BVV Marzahn-Hellersdorf2024-06-27pressemitteilung

    'Es ist nicht hinzunehmen, dass die Anwohnerschaft bisher in die Planung nicht einbezogen werden und vor vollendete Tatsachen gestellt werden sollen.' Grünen-Verordneter Pascal Grothe: 'Offensichtlich zählt hier allein das Wort des Bezirksamts, des Investors und der Fachleute.'

  7. 7BVV-Fraktion Die Linke Marzahn-Hellersdorf2025-02-20bvv-antrag

    Linke beantragte eine städtebauliche Erhaltungsverordnung für den Bereich; CDU und SPD lehnten geschlossen ab. Regina Kittler (Linke): CDU und SPD blieben 'ihrer Strategie treu, Investoreninteressen vor die Sorgen der Anwohnerschaft zu stellen'.

  8. 8BVV Marzahn-Hellersdorf / CDU-Fraktion2025-03-27bvv-beschluss

    In der März-Sitzung nahm die BVV den auf den Einwohnerantrag bezogenen Antrag (Bebauungsplan für die geplanten Hochhäuser) 'mit den Stimmen fast aller Fraktionen' an - die CDU-Fraktion enthielt sich geschlossen.

  9. 9Christian Gräff, MdA (CDU), Abgeordnetenhaus Berlin2025-04-04sonstiges

    Wurfsendung an alle Haushalte am Helene-Weigel-Platz: Neubau von Hochhäusern Richtung Alexanderplatz sei 'schlichtweg verboten'; er werde zwei der vier Türme 'mit einem Antrag im Bezirksparlament' selbst verhindern - zuvor hatte er das Vorhaben befürwortet.

  10. 10BVV Marzahn-Hellersdorf (alle Fraktionen)2025-06-19bvv-beschluss

    Der Einwohnerantrag der Anwohnerinitiative (2.000+ Unterschriften) wurde in der BVV einstimmig mit 40 Ja- und null Gegenstimmen angenommen; Baustadträtin Wessoly (CDU) sagte ernsthafte Befassung zu: 'Nicht alle Ihre Forderungen werden eins zu eins umsetzbar sein.'

  11. 11BVV-Fraktion SPD Marzahn-Hellersdorf2025-05-26bvv-antrag

    Reaktion auf Investorenpläne zum Abriss bestehender Gebäude: SPD-Fraktion fordert in einem Antrag zur BVV vom 22.5.2025 eine 'zukunftsgerechte Entwicklung' des Helene-Weigel-Platzes; keine Stopp- oder Verkleinerungsforderung im Text erkennbar.

  12. 12BVV-Fraktion SPD Marzahn-Hellersdorf (Fraktionsvorsitzender Günther Krug)2025-07-03pressemitteilung

    Fraktionsvorsitzender berichtet, die Bürgerinitiative zur Gestaltung des Helene-Weigel-Platzes habe besondere Unterstützung der gesamten BVV gefunden; man wolle die Gestaltung gemeinsam mit den Anwohnern voranbringen.

  13. 13Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf, Stadtentwicklungsamt (Stadträtin Heike Wessoly, CDU)2025-11-19verwaltungsakt

    Bezirksamt richtet auf Basis eines BVV-Beschlusses aller Fraktionen einen 25-köpfigen 'Beirat Helene-Weigel-Platz' ein, der die B-Plan-Verfahren 10-124/10-125 zusätzlich begleitet; Konstituierung 8.12.2025, dritte Sitzung Ende März 2026.

8 von 13 Belegen sind Beschlüsse oder Verwaltungsakte · Stand 2026-08-06

Wo es (nicht) entsteht.