Worum es geht.
Am Hafenplatz zwischen Mendelssohn-Bartholdy-Park und Anhalter Bahnhof wollte der Investor Ioannis Moraitis mit seiner Firma hedera bauwert die rund 400 Wohnungen aus den 1970er Jahren abreißen und über 900 neue bauen. Geplant wurde seit 2018, im Januar 2024 lagen die Ergebnisse des städtebaulichen Wettbewerbs vor1. Gebaut werden konnte trotzdem nichts: Nötig war ein Bebauungsplan — und dafür zuerst ein Aufstellungsbeschluss der Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg. Der kam nie1.
Stattdessen zog die Politik Vorbedingungen ein. Am 16. April 2024 beantragte die Linksfraktion (Gottwald, Bouali) ein Bausubstanzgutachten bis Ende September 2024 sowie öffentliche Anhörungen, die Sanierung und Abriss gegenüberstellen2. Am 24. April 2024 beschloss die BVV die Drucksache DS/1126/VI mit den Stimmen von Grünen, SPD und Linken unverändert: Das Bezirksamt sollte ein eigentümerunabhängiges Gutachten zum Erhalt der Bestandsbauten beauftragen — Vorbedingung für einen möglichen Aufstellungsbeschluss3. Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne) legte im Juni 2024 nach: kein Abriss ohne konkrete Zusage, wo die rund 300 Mietparteien gleichwertig untergebracht werden4.
Parallel geriet die Finanzierung ins Rutschen, und zwar früher als der politische Bruch. Moraitis hatte sich beim Hochrisikofonds Verius 127 Millionen Euro zu Zinsen von bis zu 15 Prozent geliehen; die für 2023 fällige Rückzahlung wurde verschoben5. Am 17. Juni 2024 erklärte das Bezirksamt die Kooperation mit hedera bauwert für „derzeit nicht möglich“ — begründet mit fehlendem Vertrauen nach Berichten über Ermittlungen wegen Kreditbetrugs, nicht mit inhaltlicher Ablehnung des Vorhabens6. Seither ruht das B-Plan-Verfahren6. Am 13. März 2026 ordnete das Amtsgericht Charlottenburg die vorläufige Insolvenzverwaltung über die Hafenplatz-Projektgesellschaft Gamma Invest Berlin GmbH an7, nachdem der Kreditgeber Aukera Insolvenzantrag gestellt hatte8. Am 9. April 2026 folgte die vorläufige Insolvenzverwaltung über die Muttergesellschaft hedera bauwert GmbH9.
Nach dem Kollaps hat der Bezirk den Neubau dauerhaft ausgeschlossen. Am 16. April 2025 beschloss das Bezirksamt die Erweiterung des sozialen Erhaltungsgebiets „Kreuzberg-Nord“ um vier Blöcke am Hafenplatz; Schmidt nannte das ein „klares Signal an den Immobilienmarkt“10. Am 19. November 2025 folgte die Ergänzung der städtebaulichen Erhaltungsverordnung „IBA 87 — Südliche Friedrichstadt“: Das Ensemble Hafenplatz 5–7, Köthener Straße 28–33 und Bernburger Straße 20–21 steht nun nach § 172 BauGB unter Schutz11 — ausdrücklich, um Abrissanträge ablehnen zu können12. Der Bezirk hält die Substanz für sanierungsfähig12.
Stand 2026: kein Aufstellungsbeschluss, kein Bebauungsplan, keine 900 Wohnungen. Der Bestand bleibt bewohnt, aber marode, der Investor insolvent. Untätig war die Verwaltung dabei nicht durchgängig — bei einem Hedera-Objekt lehnte sie laut Senatsantwort auf die Schriftliche Anfrage 19/20156 sämtliche beschiedenen Leerstandsanträge ab und setzte zweimal Zwangsgelder fest13.
Wer im Weg steht.
- Hedera Bauwert / Ioannis Moraitis (Insolvenz, Finanzierungsprobleme)Investor
- Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg (Kooperation aufgekündigt) (Grüne-geführt)Behörde
- Grüne, SPD und Linke (BVV-Beschluss DS/1126/VI)Partei
Belege.
Die Ziffern im Text verweisen hierher. Jeder Beleg nennt Akteur, Datum und Art des Vorgangs. Wie belastbar die Belege insgesamt sind, steht unter der Liste — ein Beschluss oder Verwaltungsakt wiegt schwerer als eine Pressemitteilung, diese schwerer als eine Anfrage. Steht ein Parlamentsbeschluss dahinter, ist die Drucksache samt Beschlusslage verlinkt; „Archiv" führt auf eine gespeicherte Fassung der Quelle, falls das Original verschwindet.
- 1Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg / BVV2024-09-01sonstiges
Trotz abgeschlossenem Wettbewerb (Ergebnisse Jan 2024) wurde nie ein Aufstellungsbeschluss gefasst; Grüne Fraktion: 'Erst dann können wir in der BVV entscheiden, ob ein sogenannter Aufstellungsbeschluss gefasst wird.'
- 2BVV Friedrichshain-Kreuzberg / Linksfraktion (Gottwald, Bouali)2024-04-16bvv-antrag
Antrag der Linksfraktion fordert Bausubstanzgutachten bis Ende September 2024 und öffentliche Anhörungen, die Sanierungs- und Abrissszenarien gegenüberstellen.
- 3BVV Friedrichshain-Kreuzberg (Grüne, SPD, Linke)2024-04-24bvv-beschluss
BVV beschließt DS/1126/VI unverändert: Bezirksamt soll ein eigentümerunabhängiges Bausubstanzgutachten zum Erhalt der Bestandsbauten beauftragen - Vorbedingung für einen möglichen Aufstellungsbeschluss.
- 4Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne)2024-06-21zitat-presse
Schmidt: kein Abriss ohne konkrete Zusage, wo die rund 300 Mietparteien gleichwertig untergebracht werden; die Zusammenarbeit mit dem Investor sei nicht vertrauenswürdig.
- 5Ioannis Moraitis / hedera bauwert (Verius-Fonds)2024-07-03zitat-presse
taz: Moraitis lieh sich 127 Mio Euro beim Hochrisikofonds Verius zu Zinsen von bis zu 15 Prozent; die für 2023 fällige Rückzahlung wurde verschoben. Finanzierungsnot bestand also vor dem Kooperationsabbruch.
- 6Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg (Florian Schmidt, Grüne)2024-06-17pressemitteilung
Bezirksamt erklärt Kooperation mit hedera bauwert wegen fehlenden Vertrauens für derzeit nicht möglich; Anlass sind Berichte über Ermittlungen wegen Kreditbetrugs. Das B-Plan-Verfahren ruht seitdem.
- 7Amtsgericht Charlottenburg (Insolvenzgericht)2026-03-13gerichtsbeschluss
Das Amtsgericht Charlottenburg ordnet am 13. März 2026, 10:00 Uhr, die vorläufige Insolvenzverwaltung über das Vermögen der Gamma Invest Berlin GmbH (Leibnizstraße 80, HRB 175342, Geschäftsführer Ioannis Moraitis) an; vorläufiger Insolvenzverwalter ist Rechtsanwalt Knut Rebholz. Unternehmensgegenstand der Gesellschaft ist der Erwerb des Grundstücks Hafenplatz 6 bis 7 und Köthener Straße 28 bis 32 samt teilweisem Abriss und anschließender Neubebauung.
- 8Aukera Real Estate / Immobilien Zeitung2026-03-23zitat-presse
Immobilien Zeitung: Der Kreditfonds Aukera Real Estate hat den Insolvenzantrag gegen die Hafenplatz-Projektgesellschaft Gamma Invest Berlin GmbH gestellt, die damit als nächste Hedera-Tochter in ein vorläufiges Insolvenzverfahren rutscht. Die Sanierungspläne für den Hafenplatz reichen bis 2017 zurück, passiert ist bis heute nichts.
- 9Amtsgericht Charlottenburg (Insolvenzgericht)2026-04-09gerichtsbeschluss
Das Amtsgericht Charlottenburg ordnet am 9. April 2026, 13:30 Uhr, die vorläufige Insolvenzverwaltung über die hedera bauwert GmbH an (Aktenzeichen 3607 IN 692/26); vorläufiger Insolvenzverwalter ist Rechtsanwalt Knut Rebholz.
- 10Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg2025-04-16verwaltungsakt
Bezirksamt beschließt Aufstellungsbeschluss zur Erweiterung des sozialen Erhaltungsgebiets 'Kreuzberg-Nord' um vier Blöcke am Hafenplatz; Schmidt: 'klares Signal an den Immobilienmarkt'. Totalabriss damit faktisch ausgeschlossen.
- 11Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg2025-11-19verwaltungsakt
Ergänzung der städtebaulichen Erhaltungsverordnung 'IBA 87 - Südliche Friedrichstadt': Hafenplatz-Ensemble (Hafenplatz 5-7, Köthener Str. 28-33, Bernburger Str. 20-21) wird als eigenständig prägende Anlage nach Paragraf 172 BauGB geschützt.
- 12Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg2025-11-19verwaltungsakt
Zweck der Erhaltungssatzung laut Berichterstattung: Abrissanträge für das Ensemble ablehnen zu können; Bezirk hält die Bausubstanz für sanierungsfähig und lehnt Totalabriss mit Nachverdichtung ab.
- 13Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg (Bauaufsicht/Zweckentfremdung)2024-09-19fordert Bauverwaltungsakt
Senatsantwort auf SchrAnfr 19/20156: Bezirk FHKB lehnte bei einem Hedera-Objekt sämtliche beschiedenen Leerstandsanträge ab und setzte in zwei Fällen Zwangsgelder fest - Verwaltung agierte gegen, nicht für den Stillstand.
6 von 13 Belegen sind Beschlüsse oder Verwaltungsakte · 1 Gegenposition für den Bau · Stand 2026-08-06