VERZÖGERTLichtenberg · Vorgang vom 20.05.2019

Gehrenseehöfe — 1.000 Wohnungen erst ab 2028

1.000
geplante Wohnungen, die nicht entstehen

Worum es geht.

An der Gehrenseestraße/Wollenberger Straße in Alt-Hohenschönhausen sollen die „Gehrenseehöfe“ entstehen: knapp 1.000 Wohnungen, dazu eine Grundschule, eine Kita und der Umbau der Wollenberger Straße1. Bauherren sind die landeseigene HOWOGE und der private Partner BE Development (früher Belle Époque)1. Anfangs war das Quartier noch deutlich größer gedacht — der FDP-Kreisverband Lichtenberg sprach im Mai 2019 nach einem Stadtteildialog mit rund 150 Anwohnerinnen und Anwohnern von etwa 2.300 Wohneinheiten und forderte ein Verkehrskonzept2.

Seitdem hängt alles am Bebauungsplan 11-165 im Stadtentwicklungsamt des Bezirksamts Lichtenberg. Am 09.07.2020 antwortete der Senat auf eine Schriftliche Anfrage des Abgeordneten Sebastian Schlüsselburg (Linke), Drucksache 18/23847: frühzeitige Beteiligungen durchgeführt, Baubeginn „offen“3. 2020/21 verlangte der Bezirk zusätzliche Nachweise zu gesunden Wohnverhältnissen und ausreichenden Freiflächen4. Danach zog sich der Streit über Baumasse, Größe des Schulgrundstücks und Straßenbreite über Jahre4. Das Bezirksamt selbst nannte das Verfahren am 11.06.2024 einen „sehr aufwendigen, äußerst umfangreichen und schwierigen Prozess“4 — in einer Antwort auf Kleine Anfragen der SPD-Verordneten Sandy Mattes, die vom Bezirksamt eine chronologische Darstellung der Verzögerungen verlangte5.

Einen Blockadebeschluss einer Partei gibt es nicht. Im Gegenteil: Wer sich zu Wort meldete, drängte auf Tempo. Schlüsselburg (Linke) fragte 2020 nach3, die SPD-Fraktion hakte 2024 mehrfach nach5, und am 29.01.2026 antwortete die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen auf die Anfrage des CDU-Abgeordneten Martin Pätzold (Drucksache 19/24800)6. Gegen die Dichte des Entwurfs stellte sich einzig die AfD-Fraktion, die am 22.09.2022 eine Überarbeitung des Bebauungsplans forderte7.

Die Senatsantwort vom 29.01.2026 zeigt, wie weit der Weg noch ist: erneute Behördenbeteiligung, Unterzeichnung der städtebaulichen Verträge, Offenlage und Beschlussfassung stehen alle noch aus6. Erst danach kann die HOWOGE Entwurfsplanung und Bauantrag erstellen — allein dafür rechnet sie mit mindestens zwölf weiteren Monaten6. Der Baustart ist inzwischen auf Oktober 2028 terminiert, die Fertigstellung auf September 203218.

Auf dem Gelände steht derweil die verfallende ehemalige Vertragsarbeitersiedlung. Bezirksstadträtin Camilla Schuler (Die Linke), zuständig für Stadtentwicklung und Bauen, erklärte am 05.08.2026, ein Teilabriss sei im Februar und März 2026 erfolgt; für die verbleibenden acht Blöcke fehle das Baurecht8. Ohne festgesetzten Bebauungsplan darf hier weder abgerissen noch gebaut werden8. Verantwortlich für das Verfahren ist Schulers Geschäftsbereich im Bezirksamt Lichtenberg unter Bezirksbürgermeister Martin Schaefer (CDU). Acht Jahre nach Verfahrensbeginn ist kein einziger Bauantrag gestellt6.

Wer im Weg steht.

  • Bezirksamt Lichtenberg (B-Plan)Behörde

Belege.

Die Ziffern im Text verweisen hierher. Jeder Beleg nennt Akteur, Datum und Art des Vorgangs. Wie belastbar die Belege insgesamt sind, steht unter der Liste — ein Beschluss oder Verwaltungsakt wiegt schwerer als eine Pressemitteilung, diese schwerer als eine Anfrage. Steht ein Parlamentsbeschluss dahinter, ist die Drucksache samt Beschlusslage verlinkt; „Archiv" führt auf eine gespeicherte Fassung der Quelle, falls das Original verschwindet.

  1. 1HOWOGE / Bezirksamt Lichtenberg2026-02-16sonstiges

    Baustart Gehrenseehöfe (knapp 1.000 Wohnungen) erst Oktober 2028, Fertigstellung September 2032; Grund ist das nicht abgeschlossene B-Plan-Verfahren 11-165 samt Infrastrukturauflagen (Grundschule, Kita, Umbau Wollenberger Straße). Der Artikel nennt HOWOGE und Belle Epoque ausdrücklich als Projektpartner.

  2. 2FDP-Kreisverband Lichtenberg2019-05-20pressemitteilung

    Fordert für das geplante Wohnviertel Gehrenseestraße/Wollenberger Straße (ca. 2.300 WE, HOWOGE/Belle Époque) ein Verkehrskonzept; berichtet vom stark besuchten Stadtteildialog mit ca. 150 Anwohnern.

  3. 3Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen / Bezirk Lichtenberg (Antwort auf Anfrage Sebastian Schlüsselburg, LINKE)2020-07-09anfrage

    B-Plan 11-165 'Quartier Gehrenseestraße/Wollenberger Straße': Baubeginn 'offen', Planungsphase 'Frühzeitige Beteiligungen durchgeführt', Bauherr privat/HOWOGE. Belegt den Verfahrensstand bereits Mitte 2020.

  4. 4Bezirksamt Lichtenberg (Antwort auf Kleine Anfrage der SPD-Verordneten Sandy Mattes)2024-06-11anfrage

    Bezirksamt nennt das Verfahren einen 'sehr aufwendigen, äußerst umfangreichen und schwierigen Prozess'; 2020/21 forderte der Bezirk Nachweise zu gesunden Wohnverhältnissen und ausreichenden Freiflächen, Streit um Baumasse, Schulgrundstück, Straßenbreite.

  5. 5BVV-Fraktion SPD Lichtenberg2024-06-11fordert Baupressemitteilung

    Fraktion hakt mit mehreren Kleinen Anfragen zum Stillstand beim Bauvorhaben Gehrenseehöfe nach und fordert vom Bezirksamt eine chronologische Darstellung der Verzögerungen und der Anwohnerbeteiligung.

  6. 6Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen (Antwort auf Anfrage Martin Pätzold, CDU)2026-01-29anfrage

    Im B-Plan-Verfahren 11-165 stehen erneute Behördenbeteiligung, Unterzeichnung der städtebaulichen Verträge, Offenlage und Beschlussfassung noch aus. Erst danach erstellt die HOWOGE Entwurfsplanung und Bauantrag (Dauer mind. 12 Monate).

  7. 7BVV-Fraktion AfD Lichtenberg2022-09-22pressemitteilung

    Fordert nach Antwort auf eigene Große Anfrage die Überarbeitung des Bebauungsplans Gehrenseestraße/Wollenberger Straße: Entwurf von Belle Époque und HOWOGE sei zu dicht, grünflächenlos und lebensfeindlich.

  8. 8Camilla Schuler (Die Linke), Bezirksstadträtin für Stadtentwicklung und Bauen, Lichtenberg2026-08-05zitat-presse

    Schuler erklärt den Teilabriss der Vertragsarbeitersiedlung ('Diese Arbeiten wurden im Februar und März durchgeführt'); für die verbleibenden acht Blöcke fehlt das Baurecht, ohne festgesetzten B-Plan darf nicht abgerissen und nicht gebaut werden. Überschrift/Vorspann: 'Abriss gestoppt, fertig erst 2032', 'Baubeginn erst Oktober 2028', 'Bebauungsplan 11-165 offen'.

3 von 8 Belegen sind Beschlüsse oder Verwaltungsakte · 1 Gegenposition für den Bau · Stand 2026-08-06

Wo es (nicht) entsteht.