VERZÖGERTPankow · Vorgang vom 09.09.2015

Elisabeth-Aue: 5.000 Wohnungen gegen Anwohnerprotest

5.000
geplante Wohnungen, die nicht entstehen

Worum es geht.

Die Elisabeth-Aue ist eine rund 70 Hektar große Ackerfläche zwischen Blankenfelde und Französisch Buchholz in Pankow — landeseigen und damit sofort bebaubar. Der Senat wollte hier ab 2015 ein komplett neues Stadtquartier errichten: rund 5.000 Wohnungen1, eines der größten Neubauvorhaben Berlins. Passiert ist über ein Jahrzehnt lang nichts.

Den ersten Riegel schob die Bezirksverordnetenversammlung Pankow vor. 2014 stellte die Linksfraktion den Antrag VII-0847 „Kein Ad-hoc-Verfahren!“2, die CDU parallel VII-0839 „Erhaltung der Felder der Elisabethaue — keine Bebauung“3. Am 09.09.2015 beschloss die BVV auf Antrag der Linksfraktion die Drucksache VII-0921 und untersagte dem Bezirksbürgermeister ausdrücklich, die Absichtserklärung mit dem Senat zu unterschreiben2. Danach folgte Antrag auf Antrag, das Gebiet unter Landschaftsschutz zu stellen: die Grünen mit VII-0855 (2016) und VIII-0229 (21.06.2017, BV Dr. Cordelia Koch)4, die CDU um BV Johannes Kraft mit VIII-0212 (2017), VIII-0149 und VIII-0299 (beide 2018)3, die AfD mit VIII-0320 (2017) und VIII-1282 (2020). Der Pankower AfD-Kreisverband hält bis heute dagegen: Im April 2026 wandte er sich gegen die geplante Großwohnsiedlung auf der Aue und warf der CDU vor, eine behutsame Entwicklung nur vorzutäuschen5.

Den entscheidenden Stopp setzten aber SPD, Linke und Grüne auf Landesebene. Ihre Koalitionsvereinbarung vom 16.11.2016 legte auf Seite 35 wörtlich fest: „Das Potenzialgebiet Elisabethaue wird zur Bebauung in dieser Legislaturperiode nicht weiter verfolgt.“6 Ein Satz, fünf Jahre Baustopp — es ist der klarste dokumentierte Fall politischer Blockade im gesamten Tracker.

Auch danach blieb der Widerstand. Die SPD-Fraktion in der BVV sah in ihrem Rahmenplan für Französisch Buchholz vom 07.09.2021 nur eine behutsame Teilbebauung der Elisabeth-Aue vor, gekoppelt an ein Verkehrskonzept und die Verbindung der Tramlinien M1 und M507. Als Bausenator Andreas Geisel (SPD) die Zahl von 5.000 Wohnungen erneuerte, widersprach ihm der eigene Kreisverband: Die SPD Pankow erklärte am 17.01.2022, das widerspreche „der Position der SPD Berlin und dem Koalitionsvertrag“8. Der Bezirksvorstand der Linken wies die Zielzahl am 28.02.2022 ebenfalls zurück9. Die Grünen beantragten am 24.03.2022, das Landschaftsschutzgebiet Blankenfelde bis zur Grünzugverbindung Krugpfuhl/Botanischer Volkspark zu erweitern10, und legten im November 2022 ein Gegenkonzept vor11; Fraktionschefin Almuth Tharan forderte im Mai 2023 von Bausenator Christian Gäbler (SPD) ein reguläres B-Plan-Verfahren12. Am 25.01.2024 machte die BVV einstimmig den Tram-Ringschluss M1/50 zur Bedingung (IX-0755, SPD)13. Im Januar 2025 verlangten die CDU-Abgeordneten Lars Bocian und Johannes Kraft maximal 1.700 Wohnungen14.

Erst der Senat brach die Blockade, indem er das Verfahren nach § 9 AGBauGB an sich zog — das Vorhaben sei von gesamtstädtischer Bedeutung15. Vom 16.03. bis 20.04.2026 lag der Entwurf öffentlich aus15, am 09.06.2026 beschloss der Senat den Bebauungsplan 3-891. Er umfasst allerdings nur das erste Teilprojekt: rund 870 Wohnungen, mindestens die Hälfte miet- und belegungsgebunden, dazu eine Oberschule und Sportanlagen1. Baubeginn ist für 2026 angekündigt, die ersten Fertigstellungen für 20281. Von den geplanten 5.000 Wohnungen sind damit nach elf Jahren Streit 870 rechtlich gesichert; für die übrigen rund 4.100 gibt es bis heute kein Baurecht.

Wer im Weg steht.

  • GrünePartei
  • LinkePartei
  • SPD (Koalitionsvertrag 2016: Elisabethaue nicht weiter verfolgt)Partei
  • CDU (BVV-Antragsserie gegen Bebauung)Partei
  • AfD (Kreisverband gegen die Großwohnsiedlung)Partei

Belege.

Die Ziffern im Text verweisen hierher. Jeder Beleg nennt Akteur, Datum und Art des Vorgangs. Wie belastbar die Belege insgesamt sind, steht unter der Liste — ein Beschluss oder Verwaltungsakt wiegt schwerer als eine Pressemitteilung, diese schwerer als eine Anfrage. Steht ein Parlamentsbeschluss dahinter, ist die Drucksache samt Beschlusslage verlinkt; „Archiv" führt auf eine gespeicherte Fassung der Quelle, falls das Original verschwindet.

  1. 1Senat von Berlin / Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen2026-06-09fordert Bauverwaltungsakt

    Der Senat beschließt den Bebauungsplan 3-89 für Teilprojekt 1: ca. 870 Wohnungen (mind. die Hälfte miet- und belegungsgebunden), Oberschule, Sportanlagen; Baubeginn voraussichtlich noch 2026, erste Fertigstellungen 2028, Gesamtziel rund 5.000 Wohnungen.

  2. 2Linksfraktion BVV Pankow2015-09-09bvv-beschluss

    Drucksache VII-0921 'Keine Unterschrift unter Absichtserklärung zur Bebauung der Elisabethaue' (Linksfraktion) - die BVV untersagte dem Bezirksbürgermeister, die Absichtserklärung mit dem Senat zu unterzeichnen. Zuvor VII-0847 'Kein Ad-hoc-Verfahren!' (Linksfraktion, 2014).

  3. 3CDU-Fraktion BVV Pankow (u.a. BV Johannes Kraft)2018-03-01bvv-antrag

    Serie von CDU-Vorstößen gegen die Bebauung: VII-0839 'Erhaltung der Felder der Elisabethaue - keine Bebauung' (2014), VIII-0149 Biotopverbundplanung (2018), VIII-0212 'Landschaftsschutz für die Felder' (2017), VIII-0299 'Unterschutzstellung der Elisabethaue ermöglichen' (2018).

  4. 4Fraktion Bündnis 90/Die Grünen BVV Pankow (BV Dr. Cordelia Koch)2017-06-21bvv-antrag

    Drucksache VIII-0229 'Landschaftsschutz für die Felder der Elisabeth-Aue' (Grüne für Bürger_innen); zuvor VII-0855 'Erhaltung der Felder der Elisabethaue - keine Bebauung' (Grüne für Bürgerinnen, 2016).

  5. 5AfD Kreisverband Pankow2026-04-16pressemitteilung

    Wendet sich gegen die vom CDU/SPD-Senat geplante Großwohnsiedlung mit mehreren tausend Wohnungen auf der 73 ha großen Elisabeth-Aue und wirft der CDU vor, eine behutsame Entwicklung nur vorzutäuschen.

  6. 6SPD, DIE LINKE, Bündnis 90/Die Grünen (Landesebene)2016-11-16resolution

    Koalitionsvereinbarung 2016-2021, S. 35 im Wortlaut: 'Das Potenzialgebiet Elisabethaue wird zur Bebauung in dieser Legislaturperiode nicht weiter verfolgt.' Damit war das Projekt für 5 Jahre gestoppt.

  7. 7SPD-Fraktion BVV Pankow2021-09-07fordert Baupressemitteilung

    Rahmenplan Französisch-Buchholz: verbindet den notwendigen Wohnungsbau mit einer behutsamen Teilbebauung der Elisabeth-Aue, Verkehrskonzept und der Verbindung der Tramlinien M1 und M50.

  8. 8SPD Pankow (Kreisverband)2022-01-17pressemitteilung

    Die SPD Pankow widerspricht Bausenator Geisel öffentlich: Dessen Ankündigung von 5.000 Wohnungen widerspreche 'der Position der SPD Berlin und dem Koalitionsvertrag'; gefordert wird eine 'behutsame' Entwicklung.

  9. 9DIE LINKE Pankow (Bezirksvorstand)2022-02-28resolution

    Beschluss 'Elisabeth-Aue: behutsam bebauen': Die Zielzahl von 5.000 Wohnungen des Bausenators wird zurückgewiesen, die Debatte dürfe nicht auf Zielzahlen reduziert werden; Bebauung nur mit Tram-Anbindung 50/M1.

  10. 10Bündnis 90/Die Grünen, BVV-Fraktion Pankow2022-03-24bvv-antrag

    Antrag, das Landschaftsschutzgebiet Blankenfelde bis zur Grünzugverbindung Krugpfuhl/Botanischer Volkspark zu erweitern - ausdrücklich anlässlich des Konflikts um die Bebauung der Elisabethaue.

  11. 11Bündnis 90/Die Grünen, BVV-Fraktion Pankow2022-11-15positionspapier

    Eigenes Konzept gegen die Senatsplanung: die 70 ha Offenlandfläche sei Lebensraum gefährdeter Arten und für die angrenzenden Schutzgebiete vital; Klimaanpassung müsse Vorrang haben.

  12. 12Almuth Tharan, Fraktionsvorsitzende Grüne BVV Pankow2023-05-09pressemitteilung

    Verlangt vor jeder Bebauung ein reguläres Bebauungsplanverfahren, Beteiligung der Bürger*innen und die Verlängerung der Tram M1; gebaut werden dürfe nur behutsam und begrenzt.

  13. 13BVV Pankow (Antrag SPD-Fraktion, einstimmig)2024-01-24bvv-beschluss

    Die BVV fordert einstimmig den Tram-Ringschluss M1/50 als Voraussetzung der Erschließung ('Ohne Tram keine Bebauung'); zugehörige Drucksache IX-0755 'Untätigkeit beenden - Ringschluss zwischen Tram 50 und M1 endlich ernsthaft angehen' (SPD).

  14. 14CDU Pankow / MdA Lars Bocian und Johannes Kraft2025-01-06pressemitteilung

    Fordern gemeinsam mit lokalen Vereinen maximal 1.700 statt der vom Senat geplanten 5.000 Wohnungen auf der Elisabeth-Aue und eine ortsverträgliche Planung.

  15. 15Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen2026-03-16fordert Bauverwaltungsakt

    Öffentliche Auslegung des B-Plan-Entwurfs 3-89 (Elisabeth-Aue, Teilprojekt 1) vom 16.03. bis 20.04.2026; das Verfahren wird nach § 9 AGBauGB vom Senat geführt, weil das Vorhaben von gesamtstädtischer Bedeutung ist.

7 von 15 Belegen sind Beschlüsse oder Verwaltungsakte · 3 Gegenpositionen für den Bau · Stand 2026-08-14

Wo es (nicht) entsteht.