Worum es geht.
An der Hubertusallee 1 am Rathenauplatz in Halensee, auf dem Gelände einer früheren Esso-Tankstelle, wollte die Eigentümerin aus dem Umfeld der Spree Group kein einziges Wohnhaus bauen, sondern ein Bürohochhaus. Das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf betrieb dafür seit Anfang 2024 den vorhabenbezogenen Bebauungsplan 4-83 VE: Kerngebiet statt Allgemeines Wohngebiet, 16 Geschosse, rund 59,90 Meter hoch, etwa 10.100 Quadratmeter Geschossfläche für „vornehmlich Büro-, Dienstleistungs- und Hotelnutzung sowie ggf. mit anteiliger Wohnnutzung“ (Infoplakat zur frühzeitigen Beteiligung, Februar 2024)1. Eine Zahl an Wohnungen nennt kein einziges Dokument. Auf der Themenseite des Bezirksamts vom Juli 2024, auf der die Fraktionen ihre Positionen darlegten, hielt DIE LINKE zum Vorhaben fest: „Wohnungen und soziale Infrastruktur? Fehlanzeige.“2 Dabei gilt am Standort planungsrechtlich Allgemeines Wohngebiet, der Flächennutzungsplan weist Wohnbaufläche W4 aus1. Das Grundstück misst 1.852 Quadratmeter.
Wohnungen forderten hier SPD und Linke. Die SPD-Fraktion beantragte schon am 25. Mai 2021, das Vorhaben mit dem Ziel Wohnen neu zu planen3, und verlangte am 20. Februar 2024 den Stopp des Büroprojekts zugunsten von Gewerbe im Erdgeschoss und „Wohnen mit hohem Anteil an bezahlbarem Wohnraum“ darüber4. DIE LINKE forderte am 13. März 2024 durch ihre Sprecherin Frederike-Sophie Gronde-Brunner Wohnraum mit mindestens 30 Prozent Sozialwohnungen statt des 59-Meter-Turms5. Am 25. April 2024 brachten Gronde-Brunner und Juckel den Antrag 0782/6 „Wohnungen statt Bürohochhaus in Halensee“ ein: das Verfahren 4-83 VE einstellen, stattdessen einen Angebots-B-Plan mit Allgemeinem Wohngebiet nach Paragraf 4 BauNVO aufstellen und im städtebaulichen Vertrag 30 Prozent mietpreis- und belegungsgebundenen Wohnraum sichern6. Die SPD trat dem Antrag bei6.
Die BVV lehnte ab. Der Ausschuss für Stadtentwicklung vertagte den Antrag am 13. November 2024 und empfahl ihn am 11. Dezember 2024 mit 3 Ja zu 10 Nein bei 1 Enthaltung zur Ablehnung7. Am 20. Februar 2025 beschloss die BVV mit der Mehrheit von CDU und Grünen: „Der Antrag wird abgelehnt.“7 Auf der Seite des Büroturms standen auch FDP und AfD: Die FDP wollte an der Entwicklung festhalten, die AfD hielt die Pläne für geeignet, weil dem Bezirk „neben Wohnraum auch Büroflächen“ fehlten2. In derselben Sitzung erledigte die Mehrheit mit 11 zu 3 Stimmen auch die SPD-Anträge 0820/6 (Bodengutachten wegen Tankstellenaltlasten) und 0823/6 (Fallwindgutachten) als „durch Verwaltungshandeln erledigt“8 — beide richteten sich gegen den Büroturm, nicht gegen Wohnungsbau8.
Der Büroturm selbst ist trotzdem gescheitert. Die Holding der Grundstückseigentümerin wurde im Januar 2024 durch ein Insolvenzverfahren aufgelöst; gegen die Spree Group laufen Ermittlungen im Adler-Komplex9. Die SPD-Fraktion nannte es im Juli 2024 unverantwortlich, dass das schwarz-grüne Bezirksamt der Spree Group den Büroturm trotz Briefkastenfirmen und laufender Ermittlungen gegen den Geschäftsführer erlaubte10. Baustadtrat Christoph Brzezinski (CDU) stoppte das B-Planverfahren im Dezember 2024 mit der Begründung, es gebe „keine Grundlage, das Verfahren voranzutreiben, solange die Finanzierung nicht gesichert sei“11. Das Areal steht seither zum Verkauf11.
Stand 2026 steht dort nichts: kein Büro, keine Wohnung. Es fehlt ein Beschluss, der Wohnungsbau tatsächlich ermöglicht — der einzige Antrag mit diesem Ziel liegt abgelehnt in der Schublade7. Wie viele Wohnungen möglich wären, beziffert kein Dokument; grob geschätzt wären es 85 bis 110, davon rund 30 gebunden — belegt ist das nicht. Auch zu Käufer oder neuem Verfahren nach Februar 2025 fehlen Belege.
Wer im Weg steht.
- Spree Group (Insolvenz)Investor
- BVV-Mehrheit CDU und Grüne (Ablehnung Wohnungsbau-Antrag DS 0782/6)Partei
Belege.
Die Ziffern im Text verweisen hierher. Jeder Beleg nennt Akteur, Datum und Art des Vorgangs. Wie belastbar die Belege insgesamt sind, steht unter der Liste — ein Beschluss oder Verwaltungsakt wiegt schwerer als eine Pressemitteilung, diese schwerer als eine Anfrage. Steht ein Parlamentsbeschluss dahinter, ist die Drucksache samt Beschlusslage verlinkt; „Archiv" führt auf eine gespeicherte Fassung der Quelle, falls das Original verschwindet.
- 1Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf, Stadtentwicklungsamt2024-02-12verwaltungsakt
B-Plan 4-83 VE: Kerngebiet, 16 Geschosse/ca. 59,90 m, GF ca. 10.100 qm, 'vornehmlich Büro-, Dienstleistungs- und Hotelnutzung sowie ggf. mit anteiliger Wohnnutzung'. Geltendes Recht: Allgemeines Wohngebiet; FNP: Wohnbaufläche W4.
- 2BVV-Fraktionen CDU, Grüne, SPD, Linke, FDP, AfD2024-07-01sonstiges
Themenseite des Bezirksamts mit den Fraktionspositionen zur Hubertusallee 1: CDU, Grüne, FDP und AfD halten am Bürovorhaben fest (AfD: 'Neben Wohnraum fehlen dem Bezirk auch Büroflächen'), SPD und Linke lehnen es ab bzw. fordern Wohnraum; DIE LINKE: 'Wohnungen und soziale Infrastruktur? Fehlanzeige.'
- 3SPD-Fraktion BVV Charlottenburg-Wilmersdorf2021-05-25fordert Baubvv-antrag
Antrag zur BVV am 27.05.2021: Bezirksamt soll das Bauvorhaben Hubertusallee (Esso-Tankstelle) neu planen mit dem Ziel Wohnen, Ausschluss der Verschattung, eingepasster Kubatur und Logistik-Hub.
- 4SPD-Fraktion C-W2024-02-20fordert Baupressemitteilung
SPD fordert Stopp des Bauvorhabens und stattdessen 'eine Mischung aus kieznahem Gewerbe in den Erdgeschossflächen und Wohnen mit hohem Anteil an bezahlbarem Wohnraum darüber'.
- 5Fraktion DIE LINKE C-W2024-03-13fordert Baupressemitteilung
DIE LINKE fordert statt des 59-Meter-Büroturms Wohnraum mit 'mindestens 30 Prozent Sozialwohnungen'; Sprecherin Frederike-Sophie Gronde-Brunner.
- 6Fraktion DIE LINKE (Gronde-Brunner/Juckel), Beitritt SPD2024-04-25fordert Baubvv-antrag
Antrag 0782/6: B-Plan 4-83 VE einstellen, stattdessen Angebots-B-Plan mit Allgemeinem Wohngebiet (Paragraf 4 BauNVO) und städtebaulichem Vertrag mit 30 % mietpreis- und belegungsgebundenem Wohnraum an der Geschossfläche Wohnen.
- 7BVV Charlottenburg-Wilmersdorf (Mehrheit CDU/Grüne)2025-02-20bvv-beschluss
DS 0782/6 'Wohnungen statt Bürohochhaus in Halensee': Beschluss der BVV am 20.02.2025 lautet 'Der Antrag wird abgelehnt.' Ausschuss Stadtentwicklung hatte am 11.12.2024 mit 3 Ja : 10 Nein : 1 Enthaltung Ablehnung empfohlen.
- 8SPD-Fraktion C-W2025-02-20bvv-beschluss
DS 0820/6 (Bodengutachten/Altlasten Tankstelle) und 0823/6 (Fallwindgutachten) richten sich gegen das Bürohochhaus, nicht gegen Wohnungsbau; beide am 20.02.2025 mit 11:3 als 'durch Verwaltungshandeln erledigt' beschlossen.
- 9Spree Group / Spree Holding GmbH2024-01-01sonstiges
Holding der Grundstückseigentümerin seit Januar 2024 durch Insolvenzverfahren aufgelöst; Geflecht aus rund 50 Gesellschaften, Ermittlungen im Adler-Komplex.
- 10SPD-Fraktion BVV Charlottenburg-Wilmersdorf2024-07-01fordert Baupressemitteilung
Hält den Beschluss des schwarz-grünen Bezirksamts, der Spree Group das Büro-Hochhaus an der Hubertusallee 1 zu erlauben, für unverantwortlich; verweist auf Briefkastenfirmen und Ermittlungen gegen den Geschäftsführer.
- 11Baustadtrat Christoph Brzezinski (CDU)2024-12-19zitat-presse
Bezirksamt stoppt das B-Planverfahren im Dezember 2024; es gebe 'keine Grundlage, das Verfahren voranzutreiben, solange die Finanzierung nicht gesichert sei'. Areal steht zum Verkauf; SPD und Linke schlagen Wohnnutzung vor (ohne Zahlen).
8 von 11 Belegen sind Beschlüsse oder Verwaltungsakte · 5 Gegenpositionen für den Bau · Stand 2026-08-06
Warum hier keine Wohnungen gezählt werden
Das blockierte Vorhaben (B-Plan 4-83 VE, Hubertusallee 1) ist ein reines 59 Meter hohes Geschäfts- und Bürogebäude ohne Wohnanteil. Die von der Linksfraktion geforderte Wohnnutzung (mindestens 30 % Sozialwohnungen) ist nur eine politische Forderung ohne bezifferte Wohneinheiten; weder Drucksache noch Presse nennen eine konkrete WE-Zahl.
- Quelle 1 ↗„59 Meter hohes Geschäfts- und Bürogebäude"
- Quelle 2 ↗„ein 59 Meter hoher Büroturm an der Hubertusallee"
- Quelle 3 ↗„Der Neubau eines Büroturms nahe dem Ku'damm ist vorerst gescheitert"
Verlässlichkeit: hoch · unabhängig gegengeprüft · Stand 2026-06-11