Worum es geht.
Auf dem Gelände der ehemaligen Nervenklinik an der Griesingerstraße 27 in Spandau, Ortsteil Falkenhagener Feld, sollte eines der größeren Wohnungsbauvorhaben des Bezirks entstehen: Die landeseigene degewo plante dort rund 700 Wohnungen. Die Zahl 700 stammt aus der Presseberichterstattung, nicht aus einem amtlichen Dokument. Amtlich führt der Senat die Fläche im STEP Wohnen 2040 mit einem Potenzial von 500 bis 999 Wohnungen, Eigentümerkategorie „sonstige landeseigene Betriebe“ (Antwort der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen auf die Schriftliche Anfrage 19/21230, 23.01.2025)1.
Das Bezirksamt Spandau beschloss in seiner 49. Sitzung am 19. Januar 2021 die „Neuaufnahme des Bebauungsplanverfahrens 5-88 für das Grundstück Griesingerstraße 27“2. Das Verfahren lief also zunächst an. Noch im selben Jahr zog die degewo ihr Konzept zurück — nachdem es zuvor deutliche Kritik aus der Lokalpolitik gegeben hatte3. Seitdem gibt es keinen Vorhabenträger.
Die Kritik kam aus dem Bezirksamt selbst, getragen von CDU-Baustadträten. Frank Bewig (CDU), bis 2023 Baustadtrat und seit 2023 Bezirksbürgermeister, sprach sich gegen eine abgelegene Großsiedlung auf dem Waldgelände aus4. Sein Nachfolger Thorsten Schatz (CDU), Bezirksstadtrat für Bauen, Planen, Umwelt- und Naturschutz, führt dieselbe Linie fort: Das Bezirksamt befürchtet, eine großflächige Siedlung würde die soziale Lage im benachbarten Falkenhagener Feld verschärfen, und bevorzugt kleinräumigen Wohnraum für Familien3. Als Bedingung nennt Schatz „eine Lösung der bislang unzureichenden verkehrlichen Anbindung des Areals“3 — die schmale Griesingerstraße ist die einzige Zufahrt4, ein Schienenanschluss fehlt. Die SPD-Fraktion drängt in die andere Richtung: Fraktionsvorsitzende Ina Bittroff fragte beim Bezirksamt den Sachstand ab4.
Stand heute ruht das Verfahren. Am 17. November 2025 teilte Baustadtrat Schatz mit, der Bebauungsplan sei ausgesetzt, könne aber fortgeführt werden, sobald ein belastbares Konzept vorliege3. Das Bezirksamt formuliert es so: „Momentan ruht das Verfahren, kann jedoch wiederaufgenommen werden, sobald ein Vorhabenträger mit einem tragfähigen Konzept gefunden wird.“4 Aufgehoben ist der B-Plan 5-88 nicht, und die Fläche steht weiter in der Potenzialliste des Landes1. Gebaut wurde seit 2021 nichts.
Zur Beleglage: Einen förmlichen Ablehnungs- oder Aufhebungsbeschluss des Bezirksamts oder der BVV gibt es nicht — die Blockade wirkt über Nichtbearbeitung, nicht über einen Verwaltungsakt. Eine Drucksachennummer aus der BVV Spandau liegt dazu nicht vor. Eine Mitteilung der degewo zum Rückzug 2021 ließ sich nicht finden; die Begründung stützt sich auf Presseberichte (Tagesspiegel, entwicklungsstadt.de).
Wer im Weg steht.
- CDUPartei
- Bezirksamt SpandauBehörde
Belege.
Die Ziffern im Text verweisen hierher. Jeder Beleg nennt Akteur, Datum und Art des Vorgangs. Wie belastbar die Belege insgesamt sind, steht unter der Liste — ein Beschluss oder Verwaltungsakt wiegt schwerer als eine Pressemitteilung, diese schwerer als eine Anfrage. Steht ein Parlamentsbeschluss dahinter, ist die Drucksache samt Beschlusslage verlinkt; „Archiv" führt auf eine gespeicherte Fassung der Quelle, falls das Original verschwindet.
- 1Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen2025-01-23Antwort auf Schriftliche Anfrage (Drs. 19/21230)
Die Potenzialflächen-Liste des STEP Wohnen 2040 führt für Spandau die Fläche 'Griesingerstraße' mit einem Wohnungsbaupotenzial von 500-999 WE, Eigentum 'sonstige landeseigene Betriebe'. Die Fläche ist also weiterhin als Wohnbaupotenzial geführt.
- 2Bezirksamt Spandau2021-01-19fordert BauBezirksamtsbeschluss
49. Sitzung des Bezirksamts Spandau: 'Neuaufnahme des Bebauungsplanverfahrens 5-88 für das Grundstück Griesingerstraße 27 im Bezirk Spandau, Ortsteil Falkenhagener Feld.' Das Verfahren wurde also 2021 zunächst förmlich (wieder) eröffnet, nicht gestoppt.
- 3Thorsten Schatz (CDU), Bezirksstadtrat für Bauen, Planen, Umwelt- und Naturschutz Spandau2025-11-17Zitat/Auskunft eines Amtsträgers
Baustadtrat Thorsten Schatz teilte mit, das Verfahren sei derzeit ausgesetzt, könne aber fortgeführt werden, sobald ein belastbares Konzept vorliege; zentrale Voraussetzung sei 'eine Lösung der bislang unzureichenden verkehrlichen Anbindung des Areals'. Das Bezirksamt hat Vorbehalte gegen eine großflächige Siedlung an diesem abgelegenen Standort, weil dies die soziale Lage im nahegelegenen Falkenhagener Feld verschärfen könnte; bevorzugt wird kleinräumiger Wohnraum für Familien. Im Text ausdrücklich: degewo zog 2021 ihr Vorhaben zurück, 'nachdem es im Vorfeld deutliche Kritik aus der Lokalpolitik gegeben hatte'.
- 4Frank Bewig (CDU), damals Baustadtrat, heute Bezirksbürgermeister Spandau2025-11-15Presseberichterstattung mit Positionszuordnung
Tagesspiegel: Frank Bewig (CDU) sprach sich als damaliger Baustadtrat gegen eine abgelegene Großsiedlung auf dem Klinikgelände aus; sein Nachfolger Thorsten Schatz (CDU) betont die Verkehrsprobleme. Die SPD-Fraktionsvorsitzende Ina Bittroff fragte nach dem Sachstand. Das Bezirksamt: 'Momentan ruht das Verfahren, kann jedoch wiederaufgenommen werden, sobald ein Vorhabenträger mit einem tragfähigen Konzept gefunden wird.' Hauptproblem: die Griesingerstraße als einzige, zu schmale Zufahrt.
2 von 4 Belegen sind Beschlüsse oder Verwaltungsakte · 1 Gegenposition für den Bau · Stand 2026-08-06